Im Licht sind wir Eins

Im Licht sind wir Eins
Eine Abhandlung über die Natur des Lichts, hinsichtlich der Frage, ob es inherent „gut“ als gut zu sehen ist oder doch eine differenziertere Sichtweise angebracht sei. In Gegenüberstellung zu anderen Bestandswerken über das Heilige Licht. Verfasst durch Magyn Frostwacht.

Inhalt


Vorwort

Dieses Werk, welches im Nachgang zu Lehreinheiten für einen Novizen entstand, zieht weder das Licht noch dessen Wirken in Zweifel. Es dient der Aufklärung und der Ergänzung, wobei auch Lehren früherer Autoren zur Sprache kommen und bewertet werden.

Ich bin Magyn Frostwacht, meines Zeichens Paladin vom Orden der Silbernen Hand.


Im Licht sind wir Eins

Das Grundproblem, welches die Notwendigkeit einer erneuten, schriftlichen und differenzierten Betrachtung aufwirft, ist, dass das Licht von manchem Prediger und manchem Autoren als Kraft verstanden und beschrieben wird, die einzig und allein dem Guten dient und das Gute in Reinform sei.

Dabei gibt es unzählige Beispiele, die einen solchen Autoren in Erklärungsnot bringen könnten: Wenn das Licht eine Kraft des Guten sei, warum können die Scharlachroten es dann nutzen? Das Tun und Wirken der Scharlachroten kann doch keinesfalls als “gut” gelten.

In seiner Abhandlung “Was ist das Licht?” beschrieb der Paladin Hathel Scheinwacht das Licht wie folgt:

Das Licht ist alles Gute im Universum. Es ist eine Philosophie und ist deshalb auch allgegenwärtig. Wenn man von dem Licht spricht, meint man gute Gefühle und Gedanken. Hoffnung, Freude, Liebe und Glück. Das Licht selbst ist keine Person oder ein Gott. Es ist eine Philosophie. Eine Macht aus tiefsten Herzen.

An das Licht zu glauben ist auch mehr eine praktische Ausübung als eine Anbetung. Wir versuchen die Welt zu erhellen und sie im Sinne des Lichts (also des Guten) zu verändern. Sind wir nett zu anderen und helfen ihnen, bringt ihre Freude uns auch wieder Freude.

Wir alle sind im Licht verbunden durch unsere Gefühle. Lacht jemand vor Freude, bringt das auch uns zum schmunzeln und das kann wieder jemanden erfreuen.

Also erkenne: Das Licht ist eine Kraft, die aus der eigenen Seele kommt und um einen alles erhellen kann.

Ich komme nicht umhin, diese Sichtweise anhand eigener Erfahrungen, Studien und der Erkentnisse der letzten Jahre über das Licht zu bewerten.

Das Licht kann nicht allein das Gute sein, wie das zuvor genannte Beispiel des Scharlachroten Kreuzzugs eindeutig aufweist.

Mit dem Paladin Aeonas gab es bereits vor über zwei Jahrzehnten jemanden, der der gängigen Sichtweise, dass das Licht eine Kraft des Guten sei, widersprach. Das Licht könne weder Gut noch Böse sein und auch ein Feind könne das Licht nutzen.

Aeonas wurde nicht verbannt, sondern ging aufgrund Häme und Anfeindungen ins Exil. Aeonas war ein Eigenbrötler unter den Paladinen und verbrachte mehr Zeit beim Studium in der Bibliothek als mit Anderen, aber: Er hatte Recht.

Seine seinerzeit äußerst unpopuläre Ansicht hat sich, spätestens mit der Formierung des Scharlachroten Kreuzzugs oder der Säuberung der Stadt Stratholme, bewahrheitet.

Wäre das Licht eine Kraft des Guten, könnte der Scharlachrote Kreuzzug es nicht einsetzen, um Nicht-Menschen zu jagen.

Es sei denn, unsere Definition von “Gut” wäre inkorrekt. Die Konzepte von “Gut” und “Böse” sind jedoch rein subjektiv und entbehren zumeist einer objektiven Grundlage. Wer also soll oder kann uns sagen, ob das Licht eine “gute” Kraft ist?

In seiner Schrift “Der Pfad des Lichts” wählt Girion von Athencord hingegen eine andere und allgemeinere Weise der Betrachtung und Beschreibung der Natur des Lichts:

Das bedeutet, dass das Heilige Licht eine immerwährende existente Urkraft ist, die in der Wechselwirkung zu anderen Urkräften steht. Diese besteht seit Urzeiten und ist stets allgegenwärtig.

Der Glaube an das Heilige Licht ist jedoch nicht theistisch, also anders als beim Glauben an Naturgötter, nicht an einen Gott, eine bestimme Person gebunden. „Das Heilige Licht“ ist also nicht als anbetungswürdiges Wesen zu begreifen, sondern als Urkraft und Macht, die uns alle umgibt.

Das Licht und die Heiligkeit sind zwei verschiedene Angelegenheiten. Das Licht ist, wie von Athencord skizziert, eine immerwährende, existente Urkraft.

Die Begebenheiten, die sich uns bei der Betrachtung der Natur, der Welt und des Seins zeigen, lassen keinen anderen Schluss zu: Das Licht ist vorhanden, das Licht ist allgegenwärtig, selbst in dunkelsten Stunden, selbst in finstersten Räumen.

Auch die Wechselwirkung ist klar zu erkennen: Untote erleiden Schmerzen, wenn das Licht sie heilt und die Kräfte der Leere befinden sich im ewigen Widerstreit mit den Kräften des Lichts.

Und doch kann das Licht nicht gleichbedeutend mit der Heiligen Macht sein. Wäre es so, dann wäre jedes Wesen auf Azeroth, welches die Macht des Heiligen nutzt, dazu verpflichtet, dafür an das Licht der Kirche des heiligen Lichts zu glauben.

Doch zeigen uns reale Beispiele, dass dem nicht der Fall ist: Für die Draenei ist nicht eine Kathedrale der Wirkungsort des Lichtes, sondern die Umgebung eines Naaru.

Die Tauren nutzen das Licht durch den Glauben an den Sonnengott An’she, während es für einige Trolle durch das Anbeten bestimmter Loa zustande kommt.

Wäre das heilige Licht, dem der menschliche Glauben folgt, also die einzige Variante, dürfte es keine anderen Paladine geben als Menschen, Zwerge und Hochelfen.

Daraus folgert sich: Das Licht ist die reine, immerwährende und allgegenwärtige Grundkraft, wie sie von Athencord beschrieben worden ist und nur der Anwender des Heiligen selbst begeht “gut” oder “böse” Taten. Um die Kraft des Heiligen nutzen zu können, bedarf es jedoch keinem Tempel, keiner Kirche und keiner Kathedrale.

Es bedarf einer einzigen Sache: Eines starken, unerschütterlichen Glaubens. Mit einem solchen Glauben, der, je nach Tradition, antrainiert oder von Kindesbeinen an erzogen wurde, könnte ein jeder, der sich dem Licht als würdig erweist, als Faust fungieren, um die sich das Licht als gepanzerter Handschuh legt.

Doch so steckt auch in den Ausführungen von Scheinwacht Wahrheit: Das Licht ist als allgegenwärtige Kraft in uns allen. Wann immer wir bereit sind, diese anzuerkennen und wahrzunehmen und uns darauf einlassen, ihr unsere Herzen zu öffnen, wird das Licht uns verbinden und im Licht sind wir alle Eins.

In den Lehren der Kirche des Lichts schlägt sich dies in den drei Tugenden von Respekt, Geduld und Mitgefühl nieder – denn wenn wir alle verbunden sind, dann schadet die Schädigung eines Anderen, der im Licht verbunden ist, dem Gemeinwesen und damit auch dem Licht und dem Sein als Ganzen.

Die vorigen Ausführen bringen zu dem Schluss, dass das Licht keine Kraft des Guten ist, genau, wie die Leere (oder die Schatten) keine Kraft des “Bösen” ist.

Vielmehr ist das Licht eine Kraft, die nach Harmonie des Lebens und des Seins strebt, während die Leere Dissonanz sät und Uneinigkeit erntet. Wo die Leere wirkt, zerstört sie und schädigt. Das Licht ist es also, welches seine Streiter, diejenigen, die fest im Glauben sind, mit dem Glauben als Schild und dem Willen als Schwert, in Einigkeit versammelt, um die Uneinigkeit zu bekämpfen. Dem Licht ist es gleich, ob seine Streiter Menschen sind, ob es Elfen sind, ob es Zwerge sind oder ob es Tauren sind – solange sie im Willen des Lichtes agieren, sind sie die wahrhaftige Armee des Lichts.

Im Licht sind wir Eins.


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