{"id":2963,"date":"2021-12-05T01:56:52","date_gmt":"2021-12-05T00:56:52","guid":{"rendered":"https:\/\/Skriptorium.Stadt-Sturmwind.de\/?post_type=rcno_review&#038;p=2963"},"modified":"2025-05-17T17:17:57","modified_gmt":"2025-05-17T16:17:57","slug":"des-magisters-neue-kleider","status":"publish","type":"rcno_review","link":"https:\/\/Skriptorium.Stadt-Sturmwind.de\/?rcno_review=des-magisters-neue-kleider","title":{"rendered":"Des Magisters neue Kleider"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor vielen Jahren lebte ein Magister, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, da\u00df er all&#8217; sein Geld daf\u00fcr ausgab, um recht geputzt zu sein. Er k\u00fcmmerte sich nicht um politischen Angelegenheiten, k\u00fcmmerte sich nicht um gesellschaftliche Zusammenk\u00fcnfte, und liebte es nicht, in den Immersangwald zu fahren, au\u00dfer um seine neuen Kleider zu zeigen Er hatte einen Robe f\u00fcr jede Stunde des Tages, und ebenso wie man von einem Gardisten sagt, er ist am Tor, so sagte man hier immer: <em>\u00bbDer Magister ist in der Garderobe!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n<p><!--more Weiterlesen--><\/p>\n\n\n<p>In dem bl\u00fchenden Viertel Silbermonds, in welchem er wohnte, ging es sehr munter her. An jedem Tage kamen viele Fremde an, und eines Tages kamen auch zwei Betr\u00fcger, die gaben sich f\u00fcr Weber aus und sagten, da\u00df sie das sch\u00f6nste Zeug, was man sich denken k\u00f6nne, zu weben verst\u00e4nden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungew\u00f6hnlich sch\u00f6n, sondern die Kleider, die von dem Magiestoff gen\u00e4ht wurden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, da\u00df sie f\u00fcr jeden Hochelfen unsichtbar seien, der nicht f\u00fcr sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbDas w\u00e4ren ja pr\u00e4chtige Kleider,\u00ab<\/em> dachte der Magister;<em> \u00bbwenn ich solche h\u00e4tte, k\u00f6nnte ich ja dahinter kommen, welche Amtstr\u00e4ger im hohen Silbermond zu Nichts taugen, ich k\u00f6nnte die Klugen von den Dummen unterscheiden und es dem K\u00f6nigshause mitteilen! Und ganz ohne offensichtliche Zauberei! Ja, das Zeug mu\u00df sogleich f\u00fcr mich gewebt werden!\u00ab<\/em> Er gab den beiden Betr\u00fcgern viel Handgeld, damit sie ihre verzauberte Arbeit beginnen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stellten auch zwei Webst\u00fchle auf, thaten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das Geringste auf dem Stuhle. Trotzdem verlangten sie die feinste rohe Magiewolle und das pr\u00e4chtigste Echtsilber, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren St\u00fchlen bis sp\u00e4t in die Nacht hinein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbNun m\u00f6chte ich doch wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind!\u00ab<\/em> dachte der Magister, aber es war ihm beklommen zu Mute, wenn er daran dachte, da\u00df der, welcher dumm sei oder Nichts tauge, es nicht sehen k\u00f6nne. Nun glaubte er zwar, da\u00df er f\u00fcr sich selbst nichts zu f\u00fcrchten brauche, aber er wollte doch erst einen andern senden, um zu sehen, wie es damit stehe. Alle Hochelfen in der ganz Silbermond wu\u00dften, welche besondere illusionistische Magie die Robe habe, und alle waren begierig zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbIch will meinen alten, ehrlichen Angestellten zu den Webern senden,\u00ab<\/em> dachte der Magister; <em>\u00bber kann am besten beurteilen, wie das Zeug sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und keiner versieht seine Aufgaben besser als er!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nun ging der alte, gute Angestellte in den Saal hinein, wo die zwei Betr\u00fcger sa\u00dfen und an den leeren Webst\u00fchlen arbeiteten. <em>\u00bbDie Sonne beh\u00fcte uns!\u00ab<\/em> dachte der alte Angestellte und ri\u00df die Augen auf. <em>\u00bbIch kann ja nichts erblicken!\u00ab<\/em> Aber das sagte er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Betr\u00fcger baten ihn n\u00e4her zu treten, und fragten, ob es nicht ein h\u00fcbsches Muster und sch\u00f6ne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Stuhl und der arme, alte Angestellte fuhr fort die Augen aufzurei\u00dfen, aber er konnte nichts sehen, denn es war nichts da. Bei der Sonne,\u00ab dachte er, <em>\u00bbsollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und das darf kein Hochelf wissen! Sollte ich nicht zu Nichts taugen? Nein, es geht nicht an, da\u00df ich erz\u00e4hle, ich k\u00f6nne das Zeug nicht sehen!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbNun, Sie sagen nichts dazu?\u00ab<\/em> fragte der eine von den Webern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbO, es ist niedlich, ganz allerliebst!\u00ab<\/em> antwortete der alte Angestellte und sah durch seine Brille. <em>\u00bbDieses Muster und diese Farben! \u2013 Ja, ich werde dem Magister sagen, da\u00df es mir sehr gef\u00e4llt!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbNun, das freut uns!\u00ab<\/em> sagten beide Weber, und darauf benannten sie die Farben mit Namen und erkl\u00e4rten das seltsame Muster, welches auf altert\u00fcmlichen Runen der Hochgeborenen basierte. Der alte Angestellte merkte gut auf, damit er dasselbe sagen k\u00f6nne, wenn er zum Magister zur\u00fcckkomme, und das that er auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun verlangten die Betr\u00fcger mehr Gold, mehr Magiestoff und mehr Echtsilber, um es zum Weben zu gebrauchen. Sie steckten alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher an den leeren St\u00fchlen zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Magister sandte bald wieder einen anderen t\u00fcchtigen Angestellten hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stehe und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm aber gerade wie dem ersten, er sah und sah; weil aber au\u00dfer dem Webstuhle nichts da war, so konnte er nichts sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbIst das nicht ein h\u00fcbsches St\u00fcck Zeug?\u00ab<\/em> fragten die beiden Betr\u00fcger und zeigten und erkl\u00e4rten das pr\u00e4chtige Muster, welches gar nicht da war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbDumm bin ich nicht,\u00ab<\/em> dachte der Hochelf; <em>\u00bbes ist also mein Charakter, der zu Nichts taugt! Das w\u00e4re seltsam genug, aber das mu\u00df man sich nicht merken lassen!\u00ab<\/em> Daher lobte er das Zeug, welches er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude \u00fcber die sch\u00f6nen Farben und das herrliche Muster. <em>\u00bbJa, es ist ganz allerliebst!\u00ab<\/em> sagte er zum Magister.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem pr\u00e4chtigen Zeuge. Nun wollte der Magister es selbst sehen, w\u00e4hrend es noch auf dem Webstuhl sei. Mit einer ganzen Schar auserw\u00e4hlter Hochelfen, unter welchen auch die beiden ehrlichen Angestellten waren, die schon fr\u00fcher dagewesen, ging er zu den beiden listigen Betr\u00fcgern hin, die nun aus allen Kr\u00e4ften webten, aber ohne Faser oder Faden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbJa, ist das nicht pr\u00e4chtig?\u00ab<\/em> sagten die beiden ehrlichen Angestellten. <em>\u00bbWollen der ehrlauchte Magister sehen, welches Muster, welche Farben?\u00ab<\/em> und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, da\u00df die andern das Zeug wohl sehen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbWas!\u00ab<\/em> dachte der Magister; <em>\u00bbich sehe gar nichts! Das ist ja erschrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Magister zu sein? Das w\u00e4re das Schrecklichste, was mir begegnen k\u00f6nnte. &#8220;O, es ist sehr h\u00fcbsch,\u00ab<\/em> sagte er; <em>\u00bbes hat meinen allerh\u00f6chsten Beifall!\u00ab<\/em> und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl; er wollte nicht sagen, da\u00df er nichts sehen k\u00f6nne. Die ganze Gesellschaft der Hochelfen, welche er mit sich hatte, sah und sah, aber es bekam nicht mehr heraus, als alle die andern, aber sie sagten gleichwie der Magister: <em>\u00bbO, das ist h\u00fcbsch!\u00ab<\/em> und sie rieten ihm, diese neuen pr\u00e4chtigen Kleider das erste Mal bei dem gro\u00dfen Feste, das bevorstand, zu tragen. <em>\u00bbEs ist herrlich, niedlich, ausgezeichnet!\u00ab<\/em> ging es von Mund zu Mund, und man schien allerseits innig erfreut dar\u00fcber. Der Magister verlieh jedem der Betr\u00fcger ein Abzeichen der Stadt Silbermond, um es in das Robenloch zu h\u00e4ngen, und den Titel &#8216;Verzuaberungsk\u00fcnstler&#8217;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem das Fest statthaben sollte, waren die Betr\u00fcger auf und hatten \u00fcber sechszehn Lichte angez\u00fcndet. Die Leute konnten sehen, da\u00df sie stark besch\u00e4ftigt waren, des Magisters neue Kleider fertig zu machen. Sie thaten, als ob sie das Zeug aus dem Webstuhl n\u00e4hmen, sie schnitten in die Luft mit gro\u00dfen Schweren, sie n\u00e4hten mit N\u00e4hnadeln aus Echtsilber ohne Faden und wirkten mit gro\u00dfer Zeremonie die au\u00dfergew\u00f6hnlichsten und kompliziertesten Formels\u00e4tze. Eine gro\u00dfe Menge an Verzauberungsreagenzien wurde in die Luft gestreut und gebunden, ehe sie zuletzt sagten: <em>\u00bbSieh, nun ist die Robe fertig!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Magister mit seinen vornehmsten Angestellten kam selbst und beide Betr\u00fcger hoben den einen Arm in die H\u00f6he, gerade, als ob sie etwas hielten, und sagten: <em>\u00bbSeht, hier sind die Beinkleider! Hier ist die Robe! Hier der Mantel!\u00ab<\/em> und so weiter. <em>\u00bbEs ist so leicht wie Spinneseide; man sollte glauben, man habe nichts auf dem K\u00f6rper, aber das ist gerade die Sch\u00f6nheit dabei!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbJa!\u00ab<\/em> sagten alle Angestellten, aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbBeliebt der verehrte Magister seine Kleider abzulegen,\u00ab<\/em> sagten die Betr\u00fcger, <em>\u00bbso wollen wir Ihnen die neuen hier vor dem gro\u00dfen Spiegel anziehen!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Magister legte seine Kleider ab, und die Betr\u00fcger stellten sich, als ob sie ihm ein jedes St\u00fcck der neuen Kleider anz\u00f6gen, welche fertig gen\u00e4ht sein sollten, und der Magister wendete und drehte sich vor dem Spiegel.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbEi, wie gut sie kleiden, wie herrlich sie sitzen!\u00ab<\/em> sagten alle Hochelfen. <em>\u00bbWelches Muster! welche Farben! Das ist ein kostbarer Anzug!\u00ab<\/em> \u2013<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbDrau\u00dfen steht bereits eure Familie und alle eingeladenen G\u00e4ste, welche auf euren hohen Auftritt warten, um die Feierlichkeiten zu beginnen\u00ab<\/em>, erkl\u00e4rte der treue Angestellte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbSeht, ich bin ja fertig!\u00ab<\/em> sagte der Magister. <em>\u00bbSitzt es nicht gut?\u00ab<\/em> und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel; denn es sollte scheinen, als ob er seine Kleider recht betrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bediensteten, welche die Schleppe tragen sollten, griffen mit den H\u00e4nden gegen den Fu\u00dfboden, als ob sie die Schleppe aufh\u00f6ben, sie gingen und thaten, als hielten sie etwas in der Luft; sie wagten es nicht, es sich merken zu lassen, da\u00df sie nichts sehen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>So ging der Magister mit seinen Angestellten im G\u00e4nsemarsch nach drau\u00dfen, und alle ihm bekannten Hochelfen auf der Stra\u00dfe sprachen: <em>\u00bbWie sind des Magisters neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie sch\u00f6n sie sitzt!\u00ab<\/em> Keiner wollte es sich merken lassen, da\u00df er zu Nichts taugt, oder w\u00e4re sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Magisters hatten solches Gl\u00fcck gemacht als diese.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbAber er hat ja gar nichts an!\u00ab<\/em> sagte endlich ein kleiner Elfling. <em>\u00bbH\u00f6rt die Stimme der magieerkennenden Unschuld!\u00ab<\/em> sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbAber er hat ja gar nichts an!\u00ab<\/em> rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Magister, denn die Familie und seine Bekannten schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: <em>\u00bbNun mu\u00df ich aushalten.\u00ab<\/em> So realisierte er, dass hier kein kunstvoller Illusionszauber in h\u00f6chste Magiestoffroben eingewoben worden war und er in all der erw\u00fcnschten T\u00e4uschung durch Magie selbst derjenige gewesen war, der get\u00e4uscht wurde. So ermahnte er sich, in Zukunft alle ihm vorgestellten Zauber selber zu analysieren und sich nicht von fremden Formeln verf\u00fchren zu lassen, solange er den Aufbau nicht verstand. Und die Bediensteten gingen und trugen nach den W\u00fcnschen des Magisters weiter die Schleppe, die gar nicht da war.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\" id=\"book_footer\">Buchinformationen &amp; Anh\u00e4nge<\/h5>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\nDie obrige Ausf\u00fchrung geh\u00f6rt mit ihrer Idee und eigentlichem Inhalt dem rechtm\u00e4\u00dfigen Verfasser Hans Christian Andersen unter dem Titel &#8220;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Des_Kaisers_neue_Kleider\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Des Kaisers neue Kleider<\/a>&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"su-spoiler su-spoiler-style-fancy su-spoiler-icon-chevron su-spoiler-closed\" data-scroll-offset=\"0\" data-anchor-in-url=\"no\"><div class=\"su-spoiler-title\" tabindex=\"0\" role=\"button\"><span class=\"su-spoiler-icon\"><\/span>Total RP 3 Extended Item-Code (Klicken zum erweitern\u2026)<\/div><div 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