{"id":4790,"date":"2024-12-11T01:48:54","date_gmt":"2024-12-11T00:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/Skriptorium.Stadt-Sturmwind.de\/?post_type=rcno_review&#038;p=4790"},"modified":"2024-12-12T20:03:38","modified_gmt":"2024-12-12T19:03:38","slug":"ungebrochen","status":"publish","type":"rcno_review","link":"https:\/\/Skriptorium.Stadt-Sturmwind.de\/?rcno_review=ungebrochen","title":{"rendered":"Ungebrochen"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine bewegende Geschichte \u00fcber Verlust, Transformation und Wiederentdeckung von Hoffnung und St\u00e4rke.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einem unbekannten Autor und zusammengetragen durch Felandrius Thoridal.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"inhalt\">Inhalt<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-premium-container premium-container-13e62a77-3aed-48b9-afb6-8e128546cafa  alignfull premium-is-root-container\"><div class=\"premium-container-inner-blocks-wrap\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"#prolog\" data-type=\"internal\" data-id=\"#prolog\">Prolog<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#kap1\" data-type=\"internal\" data-id=\"#kap1\">Kapitel 1<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#kap2\" data-type=\"internal\" data-id=\"#kap2\">Kapitel 2<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#kap3\" data-type=\"internal\" data-id=\"#kap3\">Kapitel 3<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"#kap4\" data-type=\"internal\" data-id=\"#kap4\">Kapitel 4<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Aus der tiefsten Dunkelheit erbl\u00fcht oft das hellste Licht. Wenn der Geist gebrochen scheint, ist es die Kraft der Elemente und der inneren Suche, die uns zur wahren Erneuerung f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" id=\"prolog\"><em>Alles, was existiert, lebt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Worte sind in seinem Geist zu einem Mantra geworden, eine st\u00e4ndige Best\u00e4rkung in seinem neu gefundenen Verst\u00e4ndnis. Sie waren eine g\u00f6ttliche Eingebung, der Schl\u00fcssel zu einem v\u00f6llig neuen Universum an Wissen. Und diese Eingebung war der Grund, warum er hier war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Worte tr\u00f6steten Nobundo, als er langsam durch den Wald aus riesigen Pilzen der Zangarmarschen wandelte und das gr\u00fcne und rote Leuchten der Sporen den fr\u00fchen Morgennebel erhellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er \u00fcberquerte die knarrenden Holzbr\u00fccken, die sich \u00fcber das flache Wasser der Marschen erstreckten. Nur wenige Augenblicke sp\u00e4ter war er an seinem Ziel angelangt und blickte zu der strahlenden Unterseite eines Pilzes hinauf, neben dem alle anderen zwergenhaft erschienen. Dort oben auf seiner Kappe erwartete ihn Telredor, die Siedlung der Draenei.<\/p>\n\n\n\n<p>Beklommen ging er weiter und st\u00fctzte sich schwer auf seinen Gehstock ab. Er verfluchte die Schmerzen in seinen Gelenken als er auf die Plattform trat, die ihn nach oben bringen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besorgnis lag ihm schwer auf der Seele, denn er wusste nicht, wie die anderen reagieren w\u00fcrden. Einst gab es eine Zeit, in der Seinesgleichen die Siedlungen der Unber\u00fchrten nicht einmal betreten durften.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden mich nur auslachen. Er f\u00fcllte seine Lungen mit der k\u00fchlen, nebligen Luft der Marschen und bat sie um Mut f\u00fcr seine bevorstehende Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Plattform hielt an und Nobundo schleppte sich vorsichtig durch den bogenf\u00f6rmigen Eingang, einige schmale Stufen hinab bis hin zu der Terrasse, die den kleinen Marktplatz der Siedlung \u00fcberblickte und auf der sich die Versammlung bereits zusammengefunden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er blickte in die verh\u00e4rteten Gesichter der verschiedenen Draenei, die mit Verachtung und Hochmut in den Augen zu ihm heraufstarrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich war er <em>\u201eKrokul\u201c<\/em>: <em>\u201eZerschlagen\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Zerschlagener zu sein bedeutete, ausgesto\u00dfen und abgewiesen zu sein. Es war weder richtig noch gerecht, aber das war die Realit\u00e4t, die er gezwungenerma\u00dfen akzeptieren musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele seiner unber\u00fchrten Br\u00fcder und Schwestern konnten nicht verstehen, wie es zu der Verk\u00fcmmerung der Krokul kommen konnte und vor allem, wie Wesen, die einst so vom Licht beschenkt und gesegnet waren, wie auch Nobundo, so tief fallen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn Nobundo nicht genau wusste, wie es passiert ist, so wusste er jedoch wann. Mit \u00fcberraschender Klarheit erinnerte er sich exakt an den Moment, an dem seine pers\u00f6nliche Verk\u00fcmmerung begonnen hatte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"kap1\">Kapitel 1<\/h2>\n\n\n<p>Der Himmel weinte, als die Orcs Shattrath belagerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele lange Monate war es her, seit das Land Draenor zuletzt mit Regen gesegnet wurde, doch nun zogen d\u00fcstere Wolken herauf, als wollten sie sich gegen die drohende Schlacht auflehnen. Sanfte Schauer nieselten auf die Stadt und die Armee au\u00dferhalb ihrer Mauern nieder und wurden langsam zu einem gleichm\u00e4\u00dfigen Regenguss. Beide Seiten beobachteten und warteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es m\u00fcssen Tausende sein, sch\u00e4tzte Nobundo grimmig von seinem Platz hoch oben auf dem inneren Bollwerk. Jenseits der \u00e4u\u00dferen Mauer tanzten Schatten zwischen den mit Laternen erleuchteten B\u00e4umen der W\u00e4lder von Terokkar. Wenn die Orcs sich mehr Zeit mit der Planung gelassen h\u00e4tten, h\u00e4tten sie vielleicht das umliegende Gebiet f\u00fcr ihren Angriff gerodet, doch die Orcs machten sich in diesen Zeiten nicht viel aus Strategie. F\u00fcr sie z\u00e4hlte nur freudige Erwartung auf die Schlacht und die sofortige Befriedigung durch das Blutvergie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Telmor war gefallen, genauso wie Karabor und Farahlon. So viele der einst so majest\u00e4tischen St\u00e4dte der Draenei lagen nun in Schutt und Asche. Nur noch Shattrath war \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Langsam nahmen die versammelten Orcs Stellung ein. Sie weckten in Nobundo das Bild einer gro\u00dfen, mit Fangz\u00e4hnen bewehrten Schlange, die sich in Vorbereitung auf den Angriff wand \u2026 ein Angriff, der mit Sicherheit das Ende der Verteidiger von Shattrath bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als w\u00e4re unser Tod nicht ohnehin schon vorbestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war sich sehr wohl bewusst, dass er und die anderen, die sich heute Nacht hier versammelt hatten, als Opfer gedacht waren. Sie hatten sich freiwillig gemeldet, um zur\u00fcckzubleiben und die letzte Schlacht zu schlagen. Die unweigerliche Niederlage w\u00fcrde die Orcs so sehr zufrieden stellen, dass sie die Draenei als quasi ausgestorben betrachten und ihre Verfolgung aufgeben w\u00fcrden. Diejenigen, die an anderen Orten Zuflucht gefunden hatten, w\u00fcrden \u00fcberleben und eines Tages, wenn die Mengenverh\u00e4ltnisse besser w\u00e4ren, zur\u00fcckschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>So sei es denn. Mein Geist wird weiterleben und eins mit der Herrlichkeit des Lichts werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit neuem Mut richtete Nobundo sich zu seiner vollen Gr\u00f6\u00dfe auf. Sein starker und athletischer K\u00f6rper spannte sich an, bereit f\u00fcr das, was kommen mochte. Sein kr\u00e4ftiger Schweif schwang nerv\u00f6s hin und her, als er sein Gewicht gleichm\u00e4\u00dfig auf seine l\u00f6wenartigen Beine verlagerte und die Spitzen seiner Hufe in das steinerne Mauerwerk grub. Er atmete tief durch und schloss seine H\u00e4nde fest um seinen vom Licht gesegneten Kristallhammer.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ich werde nicht leise gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er und die anderen Verteidiger, heilige Krieger des Lichts, w\u00fcrden bis zum Letzten k\u00e4mpfen. Er warf einen Blick auf seine Br\u00fcder, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden auf dem Absatz der Mauer postiert waren. Wie auch er standen sie gelassen und entschlossen da. Sie waren im Frieden mit dem Schicksal, das sie erwartete.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb der Stadt waren die Kriegsmaschinen eingetroffen. Katapulte, Rammen und Ballisten \u2013 Belagerungsmaschinen aller Arten flackerten kurz im Fackelschein auf. Die schweren Konstruktionen knirschten und knarrten, als sie innerhalb der Reichweite der Mauer in Position geschoben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Trommelschl\u00e4ge erklangen, zuerst nur vereinzelt, dann immer mehr und mehr, bis der ganze Wald von einem Rhythmus erf\u00fcllt wurde, der sanft wie Regen begonnen hatte und nun zu einem andauernden Donnerschlag anschwoll. Nobundo fl\u00fcsterte ein Gebet und bat das Licht um Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein dunkles Grollen ging durch die finsteren Wolken am Himmel und antwortete den rasenden Trommelschl\u00e4gen. Einen Moment lang fragte sich Nobundo, ob das Licht wohl sein Gebet erh\u00f6rt hatte. Es schien, als wolle es seine unb\u00e4ndige Macht und seinen Zorn zur Schau stellen, eine Macht die gr\u00f6\u00dfer war als alles, was er sich jemals zu rufen ertr\u00e4umt h\u00e4tte und die die gesamte, rohe und blutdurstige Armee mit einem m\u00e4chtigen Strahl heiligen Lichts auf einen Schlag ausl\u00f6schen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgte in der Tat eine Zurschaustellung, aber nicht der heiligen Macht des Lichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wolken donnerten, wirbelten umher und brachen auf, als riesige flammende Geschosse sie durchschlugen, die so schnell wie Meteore und mit einer Kraft, die Knochen zum Bersten brachte, zum Boden rasten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein markersch\u00fctterndes Get\u00f6se dr\u00f6hnte in Nobundos Ohren. Eines der Geschosse rauschte gef\u00e4hrlich nahe an ihm vorbei und zertr\u00fcmmerte einen nahegelegenen Pfeiler, sodass Nobundo von den umherfliegenden Splittern getroffen wurde. Als ob sie nur auf dieses Signal gewartet h\u00e4tte, st\u00fcrmte die Menge drau\u00dfen nach vorne. Ohrenbet\u00e4ubende Kampfschreie donnerten \u00fcber der Stadt, als sie sich mit einem einzigen Ziel vorschoben: alle, die ihnen in den Weg kamen, zu vernichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Regen wurde immer st\u00e4rker und die \u00e4u\u00dfersten Mauern zitterten unter den Einschl\u00e4gen gewaltiger Steine, die die barbarischen Katapulte auf die Stadt schleuderten. Nobundo wusste, dass die \u00e4u\u00dferen Mauern nicht standhalten w\u00fcrden. Man hatte sie in aller Eile erbaut: die Mauern um den abgesenkten Boden des \u00e4u\u00dferen Rings wurden erst im letzten Jahr errichtet. Die methodische Ausrottung seines Volkes durch die Orcs machte diese Ma\u00dfnahme notwendig. Schon da wussten sie, dass die Stadt einst ihre letzte Bastion sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere grobschl\u00e4chtige Oger machten sich daran, einen Teil der Mauer zu durchbrechen, der durch die Meteoreinschl\u00e4ge bereits deutlich mitgenommen war. Zwei der h\u00fcnenhaften Bestien bearbeiteten die Haupttore der Stadt mit einem riesigen Rammbock.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundos Br\u00fcder starteten mehrere Angriffe auf den Feind. Doch immer, wenn einer der Draenei einen der Eindringlinge niedergestreckt hatte, nahmen zwei neue seinen Platz ein. Der besch\u00e4digte Teil der Mauer begann nun, vollst\u00e4ndig in sich zusammenzufallen. Auf der anderen Seite gr\u00f6lte die Menge tobender Orcs und kletterte von blindem Blutdurst getrieben wild \u00fcbereinander hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit war gekommen. Nobundo erhob seinen Hammer gen Himmel, schloss die Augen und befreite seinen Geist von dem alles verschlingenden Missklang der Schlacht. Sein Geist rief. In seinem K\u00f6rper f\u00fchlte er, wie die vertraute W\u00e4rme des Lichts ihn erf\u00fcllte. Der Hammer begann zu leuchten. Er konzentrierte sich auf sein Ziel und lie\u00df die reinigenden heiligen M\u00e4chte auf die Oger unter sich herabfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein greller Blitz erhellte f\u00fcr einen kurzen Augenblick das gesamte Schlachtfeld. Die Orcs an vorderster Front bellten \u00fcberrascht auf, als das heilige Licht sie durchflutete, sie zum Schweigen brachte und gerade lange genug l\u00e4hmte, damit die Draeneikrieger einen der riesenhaften Oger niederstrecken konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kurze Gef\u00fchl der Erleichterung, das sich in Nobundo breitmachte, wurde schlagartig von dem Ger\u00e4usch splitternden Holzes vertrieben. Unter einem letzten Schwung des Rammbocks zerbarst das Haupttor. Nobundo sah zu, wie die Verteidiger des unteren Viertels angest\u00fcrmt kamen, um sich der Flut von Orcs und Ogern entgegenzustellen, und sofort niedergemetzelt wurden. Erneut rief Nobundo das Licht an und richtete seine heilenden Kr\u00e4fte auf alle, die er erreichen konnte, doch die feindliche \u00dcbermacht war einfach zu gro\u00df. Sobald er einen verletzten Draenei geheilt hatte, musste derselbe Krieger nur Sekunden sp\u00e4ter erneut schwere Angriffe einstecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Oger machten sich an der geschw\u00e4chten Stelle in der Mauer zu schaffen. Schlie\u00dflich gelang es ihnen, sie zu durchbrechen. Die hoffnungslos unterlegenen Verteidiger gerieten auf allen Seiten in Bedr\u00e4ngnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Orcs waren wie wahnsinnig, betrunken von ihrer Blutlust. Als sich immer mehr von ihnen in den \u00e4u\u00dferen Ring dr\u00e4ngten, konnte Nobundo ihre Augen sehen. Sie leuchteten und brannten vor blutrotem Zorn, der faszinierend und zugleich Furcht einfl\u00f6\u00dfend war. Nobundo und die anderen Verteidiger \u00e4nderten ihre Taktik von Heilung auf Reinigung. Erneut wurde die Stadt in strahlende Helligkeit getaucht, als die Masse der Orcs vom Licht getroffen wurden. F\u00fcr einen Moment erlosch das blutrote Leuchten in ihren Augen und sie stolperten nach vorne, wo die \u00fcbrig gebliebenen Draeneikrieger sie bereits erwarteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kra-wumm!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mauer erzitterte und Nobundos Hufe gerieten auf dem regennassen Stein ins Rutschen. Er fand sein Gleichgewicht wieder und blickte hinab. Einer der Oger hieb mit einer Keule, die so gro\u00df wie ein Baumstamm war, auf einen der Pfeiler links von ihm ein. Nobundo hob seinen Hammer zum Himmel und schloss die Augen, doch seine Konzentration wurde schnell von einem anderen Ger\u00e4usch gest\u00f6rt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Kra-KABUMM!<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Mal war es nicht der Oger, sondern eine Explosion, die von irgendwo unter ihm stammte, die Nobundo aus dem Gleichgewicht brachte. Er rollte sich auf die Seite und sp\u00e4hte \u00fcber die Kante. Eine Wolke aus feinem rotem Staub breitete sich in Richtung des unteren Viertels aus. Die wenigen noch \u00fcbrig gebliebenen Verteidiger brachen sofort hustend und w\u00fcrgend zusammen. Sie kr\u00fcmmten sich auf dem Boden und viele lie\u00dfen ihre Waffen fallen. Die barbarischen Orcs metzelten die sich windenden Krieger rasch nieder. Ihre unb\u00e4ndige Freude an dem Blutbad war nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Massaker vor\u00fcber war, starrten sie nach oben. Ein tollw\u00fctiges Verlangen, die Verteidiger auf der Mauer in St\u00fccke zu rei\u00dfen, gl\u00e4nzte in ihren Blicken. Mehrere Orcs kletterten auf die R\u00fccken der Oger und versuchten mit blo\u00dfen H\u00e4nden die Mauer zu erklimmen. Ihre Aggressivit\u00e4t und ungez\u00fcgelte Wildheit waren atemberaubend. Der Nebel hatte sich inzwischen \u00fcber das gesamte untere Viertel ausgebreitet, stieg langsam auf und warf einen Schleier auf die Grausamkeit am Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo vernahm einen Tumult hinter sich. Mehreren Orcs war es auf irgendeine Weise gelungen, durch die Verteidigung des inneren Rings zu brechen und auf den Absatz zu st\u00fcrmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kra-wumm!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mauer erzitterte erneut und Nobundo verfluchte den Oger, der sich offensichtlich wieder dem Pfeiler zugewandt hatte. Eine zweite Salve flammender Meteore regnete vom Himmel herab, w\u00e4hrend Nobundo sich bereit machte, um der nahenden Flut von Angreifern entgegenzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er richtete den Zorn des Lichts direkt auf den ersten Orc. Die Augen des gr\u00fcnen Biests tr\u00fcbten sich und der Orc fiel auf die Knie. Nobundo lie\u00df seinen Hammer mitten auf den Sch\u00e4del des Gegners herabfahren, riss ihn wieder in die H\u00f6he und schwang ihn nach links, bis er das befriedigende Knacken vernahm, als die Rippen des Orcs brachen. Er drehte sich um die eigene Achse und f\u00fchrte den Hammer in einem Bogen nach unten, direkt auf das Bein eines anderen Orcs, und zertr\u00fcmmerte seine Kniescheibe. Das Biest schrie vor Schmerzen auf und fiel kopf\u00fcber von dem Bollwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nebel hatte sich inzwischen den Weg zur Terrasse gebahnt, wo er sich ausbreitete und den steinernen Boden wie ein Teppich bedeckte. Er reichte ihnen schon bis zur Brust, doch Nobundo und seine Mitstreiter k\u00e4mpften weiter, bis der Staub ihnen schlie\u00dflich bei\u00dfend in Augen und Lungen brannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo h\u00f6rte die Todesschreie seiner Verb\u00fcndeten, konnte sie jedoch in dem dichten roten Dunst nicht mehr erkennen. Zum Gl\u00fcck schienen die Angriffe auf ihn nachzulassen. Er taumelte einen Schritt zur\u00fcck und unterdr\u00fcckte das Gef\u00fchl, sich \u00fcbergeben zu m\u00fcssen. Sein Sch\u00e4del f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde er gleich bersten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da vernahm er einen Kampfschrei aus dem Nebel, der so schrecklich war, dass ihm das Blut in den Adern gefror.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schatten kam auf ihn zu. Nobundo strengte sich an, um etwas zu erkennen, w\u00e4hrend sein K\u00f6rper von Kr\u00e4mpfen gesch\u00fcttelt wurde. Verzweifelt versuchte er, den Atem anzuhalten, als ein t\u00e4towierter Schrecken mit feurigen Augen aus dem blutroten Schleier trat\u2026 ein h\u00fcnenhafter Orc, der \u00fcber und \u00fcber mit dem blauen Blut der Draenei besudelt war. Atemlos und mit einer b\u00f6sartig aussehenden Zweihandaxt in den H\u00e4nden stand er vor ihm. Sein rabenschwarzes Haar klebte ihm an Schultern und Brust, sein Unterkiefer war schwarz bemalt, was seinem Gesicht das Aussehen eines Sch\u00e4dels verlieh.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter ihm str\u00f6mten die Orcs auf den Absatz. Nobundo wusste, dass das Ende gekommen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Kra-wumm!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Mal zitterte die Mauer. Der alptraumhafte Orc st\u00fcrmte los. Nobundo versuchte auszuweichen. Die Klinge schnitt ihm in die Brust und besch\u00e4digte seine R\u00fcstung. Seine linke Seite f\u00fchlte sich taub an. Nobundo konterte mit einem Schwung seines Hammers, der dem Orc die Finger seiner rechten Hand zertr\u00fcmmerte und somit seine Waffe nutzlos machte. Und dann, zu Nobundos Entsetzen, begann die schreckliche Kreatur zu l\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Orc packte ihn mit seiner guten Hand. Die beiden gl\u00fchenden Feuer in seinen Augen bohrten sich in Nobundo hinein \u2026 bohrten sich durch ihn hindurch. Nobundo musste nach Luft schnappen. Er f\u00fchlte, wie die oberste Schicht seines eigenen Willens weggerissen wurde. Es war, als w\u00e4re eine dunkle, d\u00e4monische Magie am Werk, als ob ein Teil seiner eigenen Essenz vernichtet w\u00fcrde. Und er wusste nicht, was er diesem Angriff entgegensetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kra-wumm!<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo erbrach dickes Blut auf das Gesicht und die Schultern des Orcs. Er schloss die Augen, rief verzweifelt das Licht an und flehte, dass es den Orc nur f\u00fcr einen Augenblick au\u00dfer Gefecht setzen m\u00f6ge, damit er sich verteidigen k\u00f6nne. Er rief \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum allerersten Mal, seit er das B\u00fcndnis mit dem Licht eingegangen war und mit seinem heiligen Schein gesegnet wurde\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Erhielt er keine Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Starr vor Schreck \u00f6ffnete er die Augen und blickte in die wahnsinnige, flammende Glut des Orcs, der seinen Mund \u00f6ffnete und br\u00fcllte, sodass alle Ger\u00e4usche umher verschlungen wurden und Nobundos Trommelfelle zu platzen drohten. Es schien, als w\u00e4re er pl\u00f6tzlich in einen schrecklichen, stillen Alptraum getaucht. Das Biest bog sich nach hinten und rammte seinen Kopf gegen Nobundos Gesicht. Nobundo stolperte mit wedelnden Armen nach hinten. Der Regen prasselte herab und der Anblick der gl\u00fchenden Augen brannten sich in ihn, w\u00e4hrend er fiel \u2026 tiefer, tiefer, tiefer, durch den Nebel, und schlie\u00dflich auf etwas Hartem aufschlug, das grunzte, als es unter ihm zusammenbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer in seinem stummen Alptraum gefangen, sah Nobundo das Gesicht des Orcs von der Kante der Mauer verschwinden. In der N\u00e4he gaben die besch\u00e4digten Pfeiler nach. Ein gro\u00dfer Teil der oberen Mauer st\u00fcrzte ein, stahl ihm die Sicht auf den Regen und den Himmel und tauchte Nobundo in eine Welt aus stiller Dunkelheit.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend er dort lag, dachte er an all diejenigen, die sich versteckt hatten. Diejenigen, von denen er hoffte, dass sie dem Gemetzel entkommen w\u00fcrden, diejenigen, die er liebte und sch\u00e4tzte, diejenigen, f\u00fcr die er sich geopfert hatte \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Leben. Aus irgendeinem Grund klammerte er sich immer noch ans Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo tauchte aus der schwarzen Ewigkeit der Bewusstlosigkeit auf und fand sich in einem erdr\u00fcckenden, blinden Gef\u00e4ngnis wieder. Sein Atem war nur ein hastiges, zitterndes Nach-Luft-Schnappen, aber er war am Leben. Er hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war seit \u2026 seit die Mauer eingest\u00fcrzt war, seit\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Er lie\u00df seinen Geist wandern. Sicher hatte er im Tumult der Schlacht es einfach nur nicht geschafft, sich stark genug zu konzentrieren, um das Licht zu erreichen. Aber jetzt, jetzt k\u00f6nnte er eine Verbindung herstellen. Jetzt k\u00f6nnte er es gewiss \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo hatte sich noch nie zuvor so hilflos und einsam gef\u00fchlt. Wenn das Licht f\u00fcr ihn unerreichbar war und er hier sterben w\u00fcrde, was w\u00fcrde dann aus seinem Geist? W\u00fcrde das Licht ihn dennoch aufnehmen? W\u00e4re seine Essenz dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit durch die Leere zu wandeln?<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte sein Leben in Ehre gelebt. Und doch \u2026 k\u00f6nnte das eine Art Bestrafung sein?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sein Geist nach Antworten suchte, streckte er die Hand aus und traf sofort auf kalten Stein. Er wurde sich langsam bewusst, dass er in einer merkw\u00fcrdigen Position dalag, dass eine weichere, aber dennoch feste Masse dicht neben ihn gedr\u00e4ngt war und dass sein Bein mit Sicherheit gebrochen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Er rollte sich auf die rechte Seite und atmete tief ein. Den Schmerz in seinen Rippen und in seinem Bein versuchte er zu ignorieren. Ohne die Hilfe des Lichts konnte er sich nicht heilen, daher musste er f\u00fcrs Erste mit dem Schmerz leben. Wenigstens war das Gef\u00fchl in seine rechte Seite zur\u00fcckgekehrt. Und \u2026 er konnte die ged\u00e4mpften Ger\u00e4usche h\u00f6ren, die seine Bewegungen verursachten. Sein H\u00f6rverm\u00f6gen war also ebenfalls wiederhergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass er Luft einatmete, musste bedeuten, dass sie von irgendwoher zu ihm dringen musste. Als seine Augen sich ein wenig an die Dunkelheit gew\u00f6hnt hatten, konnte er ein stecknadelgro\u00dfes Loch im Stein erkennen. Dahinter sah er kein Licht, jedoch war die Dunkelheit dort etwas heller als um ihn herum. Er lie\u00df seine Hand am Boden entlang wandern und bekam einen vertrauten, zylinderf\u00f6rmigen Gegenstand zu fassen: den Schaft seines Hammers.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der wenigen Kraft, die ihm noch \u00fcbrig geblieben war, packte er den Griff direkt unter dem Kopf, hob den Hammer hoch und schleuderte ihn auf das Loch zu. Die steinernen Brocken gaben nach und er\u00f6ffneten einen nur schwach erkennbaren Durchgang, der von den gefallenen Steinbl\u00f6cken geschaffen worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sofort wurden seine Ohren mit dem Klang ged\u00e4mpfter Schreie begr\u00fc\u00dft. Angsterf\u00fclltes Wehklagen schallte aus einiger Entfernung zu ihm her. Er benutzte den Hammer, um seinen Oberk\u00f6rper durch das Loch zu ziehen und sich in den schmalen Freiraum zu winden. W\u00e4hrend er das tat, vernahm er ein tiefes \u00c4chzen aus den Tiefen des Ger\u00f6lls hinter ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten ihm verbliebenen Kr\u00e4fte sammelnd zog er sich vollst\u00e4ndig in den Durchgang. Er erstickte einen Schrei, als sein gebrochenes Bein \u00fcber den gezackten Steinrand schleifte und ein unertr\u00e4glicher Schmerz durch seinen gesamten K\u00f6rper jagte. Noch immer h\u00f6rte er das gequ\u00e4lte \u00c4chzen. Die Steine um ihn herum bewegten sich. Sand und Dreck rieselten durch die Ritzen herab. Er schleppte sich schnell zu einem unf\u00f6rmigen Ausgang, hinter dem er meinte, Licht ausmachen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das St\u00f6hnen des Wesens unter dem Ger\u00f6ll schwoll an. Nobundo ging davon aus, dass es sich um einen Oger handeln musste, und dass dieser verzweifelt versuchte, sich zu befreien. Nobundo rollte sich auf den R\u00fccken und schob sich mit seinen Ellenbogen hinaus in die Nachtluft, w\u00e4hrend der Oger einen erneuten entschlossenen Versuch unternahm. Nobundo konnte jetzt den gesamten Schutthaufen sehen. Der Oger br\u00fcllte ein letztes Mal vor Zorn. Dann brach die gesamte Masse in sich zusammen. Staub wirbelte in alle Richtungen und k\u00fcndete vom Scheitern seiner Bem\u00fchungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sofort folgte ein weiterer Schrei aus einiger Entfernung: der Schrei einer ver\u00e4ngstigten Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo drehte sich um. Den Anblick w\u00fcrde er niemals vergessen, so sehr er es auch seit diesem Tag versuchen m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gesamte Fl\u00e4che des unteren Viertels, das vom Mond und flackerndem Feuer beleuchtet vor ihm lag, war eine Lagerst\u00e4tte der Leichen abgeschlachteter Draenei geworden. Der Regen hatte aufgeh\u00f6rt, doch die Leichenhaufen gl\u00e4nzten feucht von Erbrochenem und Blut.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine unsichtbare eiskalte Hand krampfte sich um Nobundos Herz, als er Kinder unter den Toten erkannte. Trotz ihrer Jugend hatten viele sich freiwillig gemeldet, um bei ihren Eltern zur\u00fcckzubleiben. Sie wussten nur zu gut, dass die Orcs misstrauisch w\u00fcrden, wenn sie eine Draeneistadt ohne Kinder vorf\u00e4nden. Sie h\u00e4tten sie gejagt, bis sie sich sicher w\u00e4ren, alle ausgerottet zu haben. Und doch hatte ein Teil von Nobundo mit aller Macht gehofft und gebetet, dass die Kinder verteidigt werden k\u00f6nnten, dass sie in ihren Verstecken, die man hastig in die Berge gegraben hatte, sicher sein w\u00fcrden. Eine t\u00f6richte Hoffnung, das wusste er, doch er hatte sie dennoch nicht aufgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann es etwas Sinnloseres als das T\u00f6ten von Kindern geben?<\/p>\n\n\n\n<p>Erneut drangen die Schreie einer Frau an sein Ohr, begleitet von Hohn und Spott. Die Orcs feierten und schwelgten in ihrem Sieg. Er schaute nach oben und entdeckte die Quelle des L\u00e4rms: hoch oben ragte aus der H\u00fcgelwand die Aldorh\u00f6he heraus. Die Orcs qu\u00e4lten eine arme Draeneifrau.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss versuchen, sie aufzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie? Allein mit einem gebrochenen Bein gegen Hunderte \u2026 einer, der vom Licht verlassen und nur mit seinem Hammer bewaffnet war. Wie konnte er diesen wachsenden Wahnsinn dort oben aufhalten?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss einen Weg finden!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie im Rausch kletterte er \u00fcber die Leichen, rutschte in den Fl\u00fcssigkeiten aus und schob den Gestank der F\u00e4ulnis und der Ged\u00e4rme weit aus seinem Kopf. Er k\u00e4mpfte sich um den \u00e4u\u00dferen Ring des unteren Viertels hin zum Fu\u00df der Klippen, wo die Mauer auf den Berg traf. Er w\u00fcrde einen Weg finden, dort hinaufzuklettern. Er w\u00fcrde \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schreie verstummten. Er blickte hinauf und sah Umrisse im Mondlicht. Sie trugen eine leblose Gestalt zum Rand des Ausblicks, schwangen sie hin und her und schleuderten die tote Fracht in die Tiefen. Mit einem dumpfen Aufprall schlug sie unweit der Stelle auf, an der Nobundo reglos verharrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kroch vorw\u00e4rts und hielt nach Lebenszeichen der Frau Ausschau \u2026 Shaka, das war ihr Name, stellte er fest, als er nahe genug gekrochen war, um ihre Gesichtsz\u00fcge erkennen zu k\u00f6nnen. Er hatte sie schon oft gesehen, aber nur selten mit ihr gesprochen. Er hatte sie immer als angenehm und bezaubernd empfunden. Nun lag sie verletzt und geschlagen vor ihm, die Kehle durchschnitten und ihres Lebensblutes beraubt. Zumindest f\u00fcr sie war das Leiden zu Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Von oben erklang ein weiterer Schrei, die Stimme einer weiteren Frau. Zorn stieg in Nobundo auf. Zorn und Frustration und ein unb\u00e4ndiger Durst nach Rache.<\/p>\n\n\n\n<p>Du kannst nichts tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Verzweifelt umklammerte er den Hammer und versuchte noch einmal, das Licht anzurufen. Mit seiner Hilfe k\u00f6nnte er vielleicht etwas tun. Irgendetwas \u2026 Doch wieder begegnete ihm nichts als Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas in ihm dr\u00e4ngte ihn, so schnell wie m\u00f6glich von hier zu verschwinden und die anderen, die sich versteckt hatten, zu finden, zu leben \u2026 um eines Tages ein h\u00f6heres Ziel zu erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist feige. Ich muss einen Weg finden. Ich muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch tief in seinem Inneren wusste Nobundo, dass die Schlacht geschlagen war. Wenn ihn tats\u00e4chlich ein h\u00f6heres Schicksal erwarten sollte, musste er unverz\u00fcglich fliehen. Er w\u00fcrde nur einen sinnlosen Tod sterben, wenn er versuchen w\u00fcrde, die Anh\u00f6he zu erreichen. Erneut zerschnitten Schmerzensschreie die Nachtluft. Nobundo lie\u00df seinen Blick zu einem St\u00fcck der \u00e4u\u00dferen Mauer wandern, das teilweise zerst\u00f6rt war. Ein gef\u00e4hrliches Hindernis, aber kein un\u00fcberwindbares. Und es war nicht bewacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist an der Zeit. Du musst dich entscheiden \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine Chance. Eine Chance zu leben und eines Tages vielleicht wieder etwas ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du musst es dort hindurch schaffen. Du musst weitermachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder erklang ein langgezogenes Jammern, aber dieses Mal wurde es gn\u00e4digerweise abgeschnitten. Dann drangen orcische Stimmen von jenseits der inneren Mauer zu ihm. Es klang, als w\u00fcrden sie die Leichenhaufen durchw\u00fchlen, auf der Suche nach etwas oder jemandem. Seine Zeit war abgelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo nahm seinen Hammer. Auch wenn es betr\u00e4chtlich viel Zeit und Anstrengung brauchte und er v\u00f6llig ausgelaugt war, schaffte er es, sich \u00fcber die restlichen Leichen und durch die L\u00fccke in der Mauer zu hieven.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er langsam und voller Schmerzen in die W\u00e4lder von Terokkar taumelte, begannen die Schreie auf der Aldorh\u00f6he von neuem.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"kap2\">Kapitel 2<\/h2>\n\n\n<p><em>\u201eEuer \u00dcberleben muss ein Zeichen sein, eine Nachricht des Lichts.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEs segnet jeden von uns in seiner eigenen Weise. Wenn die Zeit gekommen ist, werdet Ihr es wiederfinden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch hoffe, dass Ihr Recht habt, alter Freund. Es ist \u2026 ich \u2026 ich empfinde das anders. Etwas in mir hat sich ver\u00e4ndert.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eUnfug. Ihr seid m\u00fcde und verwirrt, und nach allem, was Ihr durchgemacht habt, ist das auch kein Wunder. Ruht Euch aus.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rolc verlie\u00df die H\u00f6hle. Nobundo lehnte sich zur\u00fcck und schloss die Augen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Schreie. Das verzweifelte Flehen der Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo riss schlagartig die Augen auf. Er war nun schon seit ein paar Tagen hier in einem der wenigen Lager derjenigen, die sich vor der Schlacht versteckt hatten. Er konnte die herzzerrei\u00dfenden Schreie der Frauen, die er dem Tod \u00fcberlassen hatte, nicht absch\u00fctteln. Jedes Mal, wenn er die Augen schloss, riefen sie nach ihm und flehten ihn an, ihnen zu helfen, sie zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p>Du hattest keine Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber war das wirklich die Wahrheit? Er war sich nicht sicher. In letzter Zeit fand Nobundo es \u00e4u\u00dferst schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. In seinem Kopf war alles verschwommen und zusammenhangslos. Er seufzte schwer, erhob sich von der Decke auf dem Steinboden und \u00e4chzte, als seine Gelenke protestierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er trat in die neblige Luft des Marschenlandes und schleppte sich durch ein aufgeweichtes Schilffeld. Die Zangarmarschen waren ein ungastliches Gebiet, doch vorerst waren sie sein Zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Orcs mieden das Sumpfland in der Regel, und sie hatten einen guten Grund daf\u00fcr. Das gesamte Gebiet war mit flachem, brackigem Wasser bedeckt, die meisten Vertreter der einheimischen Flora und Fauna waren giftig, wenn man sie nicht richtig zuzubereiten wusste, und viele der gr\u00f6\u00dferen Kreaturen des Sumpflandes fra\u00dfen alles, was sie nicht zuerst fra\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Nobundo um mehrere turmhohe Riesenpilze herumging, h\u00f6rte er aufgebrachte Stimmen: ein Tumult am Ende des Lagers.<\/p>\n\n\n\n<p>Er beeilte sich um herauszufinden, was dort vor sich ging. Drei verletzte Draenei, zwei M\u00e4nner und eine Frau, wurden von Mitgliedern des Lagers an den Grenzwachen vorbeigef\u00fchrt. Ein weiterer, bewusstlos, wurde hinter ihnen hergetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo warf einer der Wachen einen fragenden Blick zu, welche die stumme Frage beantwortete: <em>\u201e\u00dcberlebende aus Shattrath.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie elektrisiert folgte Nobundo der Gruppe zu den H\u00f6hlen, wo die \u00dcberlebenden vorsichtig auf Decken niedergelegt wurden. Rolc legte seine H\u00e4nde zuerst auf den Bewusstlosen, konnte ihn jedoch nicht aufwecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau, die offensichtlich benommen war, murmelte vor sich hin. <em>\u201eWo sind wir? Was ist passiert? Ich f\u00fchle nicht \u2014 etwas ist \u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rolc trat zu ihr und beruhigte sie. <em>\u201eEntspannt Euch. Ihr seid jetzt unter Freunden. Alles wird gut.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo fragte sich, ob tats\u00e4chlich alles gut w\u00fcrde. Orcische J\u00e4ger hatten bereits eines der Lager entdeckt und dem Erdboden gleich gemacht. Und diese Vier\u2026 wie konnten sie \u00fcberleben? Welche Schrecken m\u00fcssen die Frauen durchgemacht haben? Was hat den Bewusstlosen in diesen katatonischen Zustand getrieben? Ihr Aussehen, ihr Verhalten \u2026 Nobundo fragte sich, ob ihre Verletzungen mehr als nur physisch waren. Sie schienen leer und ihres Geistes beraubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sahen aus, wie er sich f\u00fchlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter hatten die \u00dcberlebenden sich ausreichend von ihren Verletzungen erholt, sodass Nobundo es wagte, ihnen Fragen \u00fcber Shattrath zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau, Korin, sprach zuerst. Ihre Stimme war br\u00fcchig, als sie von ihren Erlebnissen berichtete. <em>\u201eWir hatten Gl\u00fcck. Wir sind tief im Berg, in einem der wenigen Verstecke geblieben, das sie nicht entdeckt haben \u2026 zumindest nicht gleich.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo sah sie verst\u00e4ndnislos an.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIrgendwann hat uns eine Gruppe der gr\u00fcnh\u00e4utigen Monster gefunden. Der Kampf, der folgte, war \u2026 Ich habe so etwas noch nie gesehen. Vier von unseren M\u00e4nnern, die sich freiwillig gemeldet hatten, um uns zu verteidigen, wurden abgeschlachtet, aber sie haben auch viele der Orcs get\u00f6tet. Schlie\u00dflich waren nur noch Herac und Estes \u00fcbrig. Sie haben die restlichen brutalen Kreaturen umgebracht. Es waren wilde Bestien. Und diese Augen, diese schrecklichen Augen \u2026\u201c<\/em> Korin schauderte bei der Erinnerung daran.<\/p>\n\n\n\n<p>Estes sagte: <em>\u201eEs gab eine Explosion. Augenblicke sp\u00e4ter drang giftiges Gas in unser Versteck, schn\u00fcrte uns die Luft ab und verursachte in uns eine \u00dcbelkeit, die wir nie zuvor erlebt hatten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo dachte an den unnat\u00fcrlichen roten Nebel und zwang die Erinnerung schnell wieder aus seinem Geist. Herac warf ein: <em>\u201eEs f\u00fchlte sich an, als ob wir sterben m\u00fcssten. Die meisten von uns wurden ohnm\u00e4chtig. Als wir aufwachten, war es Morgen. Die oberen Ebenen waren verlassen. Wir haben uns in die H\u00fcgelwand vorgek\u00e4mpft und sind von dort aus nach Nagrand gezogen, wo man uns viele Tage sp\u00e4ter fand.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWie viele wart ihr?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Herac antwortete: <em>\u201eZwanzig, vielleicht auch mehr. Haupts\u00e4chlich Frauen, ein paar Kinder. Tage sp\u00e4ter trafen weitere ein, so wie der, der bewusstlos in der H\u00f6hle liegt \u2026 Die anderen sagen, er hie\u00dfe Akama. Wir haben geh\u00f6rt, dass er wohl mehr von dem Gas abbekommen haben soll, als viele andere \u00dcberlebende. Rolc ist sich nicht sicher, ob er jemals \u2026\u201c<\/em> Herac unterbrach sich und wurde still.<\/p>\n\n\n\n<p>Estes fuhr fort: <em>\u201eSp\u00e4ter wurden wir aufgeteilt und zu verschiedenen Lagern in den Zangarmarschen und Nagrand geschickt. Eine Vorsichtsma\u00dfnahme, damit wir nicht alle get\u00f6tet werden, falls die Lager von Orcs entdeckt w\u00fcrden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWaren unter euch Priester oder Verteidiger \u2013 jemand, der das Licht nutzt?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei sch\u00fcttelten den Kopf. <em>\u201eIch kann nicht f\u00fcr Akama sprechen, aber Estes und ich sind einfache Handwerker, die sich nicht auf das F\u00fchren einer Waffe verstehen. Daher hat man uns zu den H\u00f6hlen geschickt, als letzte Verteidigungslinie.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Korin fragte Nobundo, <em>\u201eHaben es noch andere geschafft, als Ihr entkommen seid? Gab es noch mehr \u00dcberlebende? Wir haben die Orcs auf den unteren Ebenen geh\u00f6rt, aber wir hatten Angst, entdeckt zu werden. Daher sind wir geflohen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo dachte an die Leichenberge im unteren Viertel \u2026 h\u00f6rte das Flehen von der Aldorh\u00f6he und versuchte, die gequ\u00e4lten Schreie in seinem Geist zum Schweigen zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eNein\u201c<\/em>, antwortete er. <em>\u201eIch wei\u00df von keinen weiteren \u00dcberlebenden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Jahreszeiten zogen vor\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Velen, ihr prophetischer Anf\u00fchrer, hatte sie vor zwei Tagen besucht \u2026 oder waren es vier? In letzter Zeit fiel es Nobundo immer schwerer, einige Dinge zu behalten. Velen war aus einem der benachbarten Lager gekommen. Sein genauer Aufenthaltsort war ein streng geh\u00fctetes Geheimnis, falls einer von ihnen gefangengenommen und gefoltert werden sollte. Die Draenei k\u00f6nnten keine Informationen verraten, die sie nicht kannten. Jedenfalls hatte Velen zu ihnen \u00fcber ihre Zukunft gesprochen, dass sie sich f\u00fcr eine ganze Weile ruhig verhalten mussten, wahrscheinlich f\u00fcr Jahre, und beobachten und abwarten mussten, wie sich die Orcs verhalten w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Velen hatten die Gr\u00fcnh\u00e4ute mit dem Bau von etwas begonnen, dass ihre gesamte Zeit und ihre gesamten Ressourcen in Anspruch nahm. Dieses Projekt lenkte sie offensichtlich davon ab, die \u00fcberlebenden Draenei zu jagen, zumindest f\u00fcrs Erste. Was die Orcs unweit ihrer Zitadelle in den versengten Landen bauten, schien eine Art Tor zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Velen schien wesentlich mehr zu wissen, als er sagte, aber schlie\u00dflich war er ein Prophet, ein Seher. Nobundo dachte, dass der edle Weise sehr viele Dinge wissen musste, die er und die anderen ohnehin nicht verstehen k\u00f6nnten, weil sie daf\u00fcr nicht weise genug waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo beobachte Korin, die mit ihrem Fischspeer in das Wasser watete. Etwas an ihr war anders. Es schien, als h\u00e4tte ihr K\u00f6rper sich in den letzten paar Wochen ver\u00e4ndert. Ihre Unterarme waren ein wenig l\u00e4nger geworden, ihr Gesicht sah ausgelaugt aus und ihre Haltung hatte sich verschlechtert. So unwahrscheinlich es auch klang, es sah aus, als w\u00e4re ihr Schweif geschrumpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Herac und Estes liefen vorbei, und Nobundo h\u00e4tte schw\u00f6ren k\u00f6nnen, dass er bei ihnen \u00e4hnliche Ver\u00e4nderungen bemerkte. Er warf einen Blick auf seine eigenen Unterarme. Bildete er sich das nur ein oder sahen sie geschwollen aus? Schon eine ganze Weile f\u00fchlte sich etwas nicht richtig an, seit \u2026 seit jener Nacht. Aber er hatte angenommen, dass er sich im Laufe der Zeit schon erholen w\u00fcrde. Nun wurde er jedoch immer besorgter.<\/p>\n\n\n\n<p>Korin kam auf ihn zu. <em>\u201eIch bin fertig f\u00fcr heute. Ich muss mich ein wenig ausruhen.\u201c<\/em> Sie reichte Nobundo ihren Speer.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eGeht es dir gut?\u201c<\/em> fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Korin schenke ihm ein wenig \u00fcberzeugendes L\u00e4cheln. <em>\u201eIch bin nur etwas m\u00fcde\u201c<\/em>, antwortete sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo sa\u00df mit geschlossenen Augen auf den Bergen, die die Zangarmarschen \u00fcberblickten. Er f\u00fchlte sich m\u00fcde und die Ersch\u00f6pfung kroch bis in seine Knochen. Er war hierher gekommen, um alleine zu sein. Korin hatte er schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Sie hatte sich mit den anderen beiden in einer der H\u00f6hlen verkrochen, und wenn er sich bei den anderen Lagerbewohnern nach ihrem Befinden erkundigen wollte, erhielt er nur ein unwissendes Achselzucken. Das gleiche galt auch f\u00fcr den, den sie Akama nannten. Trotz Rolcs st\u00e4ndigen Bem\u00fchungen war er immer noch nicht ansprechbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas war gr\u00fcndlich falsch. Nobundo wusste es. Er hatte die Ver\u00e4nderungen an sich und den anderen \u00dcberlebenden, darunter auch Akama, gesehen. Der Rest des Lagers wusste es auch. Sie schienen nicht mehr so oft mit ihm sprechen zu wollen, sogar Rolc. Und k\u00fcrzlich, als er mit ein paar kleinen Fischen ins Lager zur\u00fcckgekehrt war, haben die anderen gesagt, dass sie gen\u00fcgend Fisch h\u00e4tten und er ihn selbst essen solle \u2026 als ob diese unbekannte Krankheit, die ihn und die anderen befallen hatte, sich \u00fcber das Essen, das er ber\u00fchrt hatte, ausbreiten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das widerte Nobundo an. Z\u00e4hlten seine Dienste denn gar nichts? Inzwischen verbrachte er viel Zeit hier auf den H\u00fcgeln, dachte im Stillen nach und versuchte, seinen Geist zu konzentrieren. Verzweifelt versuchte er, das zu erreichen, was unm\u00f6glich war: eine Verbindung zum Licht. Es war, als h\u00e4tte man ihm eine T\u00fcr vor der Nase zugeschlagen, als ob der Teil seines Geistes, der fr\u00fcher so leicht Kontakt herstellen konnte, nicht mehr funktionierte, oder noch viel schlimmer, nicht mehr existierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sogar einfache \u00dcberlegungen wie diese bereiteten ihm Kopfschmerzen. In letzter Zeit wurde es immer schwieriger f\u00fcr ihn, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Seine Arme waren weiter angeschwollen, und die Schwellung wollte einfach nicht abklingen. Seine Hufe wurden br\u00fcchig. Teile davon waren bereits abgesplittert und wuchsen nicht mehr nach. Und die ganze Zeit \u00fcber die Alptr\u00e4ume \u2026 Alptr\u00e4ume, die nicht verschwinden wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenigstens sah man die orcischen Sp\u00e4her immer seltener. Es wurde berichtet, dass das, was immer die Orcs auch bauen mochten, fast fertig gestellt war. Und es schien in der Tat eine Art Tor zu sein, genauso, wie Velen es vorhergesagt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, dachte Nobundo. Ich hoffe, dass sie das Tor durchschreiten und direkt in ihrem Untergang landen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er erhob sich und machte sich langsam und bed\u00e4chtig auf den Weg ins Lager zur\u00fcck. Der Hammer war ihm zu einer St\u00fctze geworden, f\u00fcr die er sehr dankbar war. In den letzten paar Wochen war er ihm so schwer geworden, dass er ihn mit dem Kopf nach unten tragen musste, und ihn meist als Gehstock benutzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Stunden sp\u00e4ter kam er an seinem Ziel an und beschloss Rolc aufzusuchen. Zusammen w\u00fcrden sie eine Versammlung einberufen und das Problem der wachsenden Intoleranz durch die \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo machte am Eingang zu Rolcs H\u00f6hle halt. Dort lag Korin auf einer Decke. Sie hatte sich inzwischen so sehr ver\u00e4ndert, dass sie gar nicht mehr wie eine Draenei aussah, sondern wie ein verzerrtes Abbild ihres Volkes. Krank und ausgemergelt sah sie aus. Ihre Augen waren milchig und ihre Unterarme waren betr\u00e4chtlich angeschwollen. Statt ihrer abgefallenen Hufe waren nur noch zwei knochige H\u00f6cker zu sehen. Ihr Schweif war nur noch ein kleiner Stummel. Trotz ihres schw\u00e4chlichen Befindens wehrte sie sich in Rolcs Armen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch will sterben! Ich will einfach nur sterben! Ich will, dass der Schmerz vorbeigeht!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rolc hielt sie fest. Nobundo trat schnell n\u00e4her und beugte sich zu ihnen hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSei nicht dumm!\u201c Er schaute Rolc an. \u201eK\u00f6nnt Ihr sie nicht heilen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Priester sah seinen Freund finster an. \u201eIch habe es versucht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eLasst mich gehen! Lasst mich sterben!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da begannen Rolcs H\u00e4nde auf einmal zu leuchten. Er beruhigte Korin und b\u00e4ndigte sie sanft, bis ihr Strampeln weniger wurde und schlie\u00dflich ganz aufh\u00f6rte. Sie brach in krampfhaftes Schluchzen aus und rollte sich auf der Decke zusammen. Rolc bedeutete Nobundo mit dem Kopf, die H\u00f6hle zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald sie im Freien waren, blickte Rolc Nobundo ernst an. <em>\u201eIch habe alles getan, was ich konnte. Es ist, als ob ihr K\u00f6rper, wie auch ihr Geist, zerschlagen wurde.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEs muss etwas geben, was \u2014 einen Weg, um \u2014 \u201c<\/em> Nobundo versuchte angestrengt, seine Gedanken in Worte zu fassen. <em>\u201eWir m\u00fcssen etwas tun!<\/em>\u201c platzte es schlie\u00dflich aus ihm heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Rolc wurde f\u00fcr einen Augenblick still. <em>\u201eIch mache mir Sorgen um sie, um Euch. Es wurde uns berichtet, dass die \u00dcberlebenden aus Shattrath in den anderen Lagern \u00e4hnliche Ver\u00e4nderungen durchmachen. Was immer die Ursache sein mag, die Patienten sprechen auf keine Behandlung an und es geht auch nicht mehr weg. Unsere Leute f\u00fcrchten, dass wir alle verloren sind, wenn wir keine Ma\u00dfnahmen ergreifen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas sagt Ihr? Was ist passiert?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rolc seufzte. <em>\u201eNur Gespr\u00e4che. F\u00fcrs Erste. Ich habe lange Zeit versucht, f\u00fcr Euch und die anderen einzutreten. Und, um ehrlich zu sein, bin ich mir inzwischen nicht mehr sicher, ob ich das sollte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo war von seinem Freund bitter entt\u00e4uscht. Die einzige Person, von der er dachte, ihr vertrauen zu k\u00f6nnen, gab nun demselben engstirnigen Verfolgungswahn der anderen nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprachlose drehte Nobundo sich um und ging fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Korins Zustand verschlechterte sich weiter und schlie\u00dflich wurde ein paar Tage sp\u00e4ter die Entscheidung getroffen, von der Rolc gesprochen und die Nobundo bef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo, Korin, Estes und Herac standen vor den versammelten Mitgliedern des Lagers. Ihre Blicke waren zum Teil d\u00fcster, zum Teil traurig und zum Teil ausdruckslos. Rolc sah aus, als bef\u00e4nde er sich mit sich selbst im Widerstreit, und wirkte doch entschlossen. Fast wie ein J\u00e4ger, der lieber nicht t\u00f6ten w\u00fcrde, sich aber bewusst ist, dass er essen muss und sich darauf vorbereitet, seiner Beute den finalen Todessto\u00df zu versetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich herausstellte, hatte das Lager Rolc zu seinem Sprecher gew\u00e4hlt. \u201eDies ist nicht leicht f\u00fcr mich, f\u00fcr keinen von uns \u2026\u201c Er deutete mit einer Handbewegung auf die stumme Versammlung hinter sich. \u201eAber wir haben mit den Vertretern der anderen Lager gesprochen und sind gemeinsam zu einer Entscheidung gelangt. Wir glauben, dass es im besten Interesse f\u00fcr alle Beteiligten liegt, wenn diejenigen von Euch, die\u2026 betroffen sind, zusammen leben w\u00fcrden, jedoch getrennt von denen, die bei voller Gesundheit sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Korin, die besonders hilflos aussah, fragte mit rauer und belegter Stimme: <em>\u201eWir werden verbannt?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor Rolc Einspruch erheben konnte, schnitt Nobundo ihm das Wort ab. <em>\u201eGenau so ist es! Sie k\u00f6nnen unsere Probleme nicht l\u00f6sen, also \u2026 also hoffen sie, dass sie uns ignorieren k\u00f6nnen! Sie wollen einfach, dass wir verschwinden!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir k\u00f6nnen euch nicht helfen!\u201c platze es aus Rolc heraus. \u201eWir haben keine Ahnung, ob euer Zustand ansteckend ist, und eure geminderten k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten und geschw\u00e4chter Geist sind eine B\u00fcrde, die wir nicht tragen k\u00f6nnen. Es gibt nicht mehr gen\u00fcgend von uns, um Risiken eingehen zu k\u00f6nnen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas ist mit dem anderen, mit Akama?\u201c<\/em> fragte Korin.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEr wird hier in meiner Obhut bleiben, bis er erwacht\u201c<\/em>, antwortete Rolc. Dann f\u00fcgte er hinzu <em>\u201eFalls er erwacht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWie freundlich von Euch\u201c<\/em>, murmelte Nobundo. In seinen Worten schwang deutlicher Sarkasmus mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Rolc schritt vor und stellte sich trotzig vor Nobundo. Trotz seiner mangelnden Gesundheit richtete Nobundo sich auf und blickte Rolc direkt in die Augen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIhr habt gesagt, dass ihr Euch fragt, ob das Licht Euch vielleicht f\u00fcr Euer Versagen in Shattrath bestrafen m\u00f6chte\u201c<\/em>, sagte Rolc.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch habe in Shattrath alles gegeben! Ich war bereit zu sterben, damit ihr alle leben k\u00f6nnt!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa, aber Ihr seid nicht gestorben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas soll \u2014 wollt Ihr behaupten, dass ich ein Deserteur bin?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWenn das Licht Euch verlassen haben sollte, hat es das sicher nicht ohne Grund getan. Wer sind wir schon, die Wege des Lichts in Frage zu stellen?\u201c<\/em> Rolc blickte sich Unterst\u00fctzung suchend zu den anderen um. Einige von ihnen schauten weg, aber viele erwiderten seinen Blick. <em>\u201eWas auch immer geschehen sein mag, ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass ihr Euren neuen Platz im Gef\u00fcge der Dinge akzeptiert. Es ist an der Zeit, das Wohlergehen der anderen zu sch\u00fctzen \u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rolc b\u00fcckte sich und riss Nobundo den Hammer aus der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eUnd ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass Ihr aufh\u00f6rt etwas sein zu wollen, das Ihr nicht seid.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"kap3\">Kapitel 3<\/h2>\n\n\n<p>Es war ein Fehler hierher zu kommen. Nichts hat sich ge\u00e4ndert. Du bist immer noch Krokul \u2013 du bist immer noch ein Zerschlagener.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Sie w\u00fcrden auf ihn h\u00f6ren. Er w\u00fcrde sie dazu bringen. Schlie\u00dflich gab es noch seine Eingebung. Nobundo zwang sich, seinen Blick von der versammelten Gruppe auf den Brunnen in der Mitte des kleinen Platzes zu lenken. Er bat das Wasser um Klarheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sp\u00fcrte, wie seine Gedanken sich konzentrierten und dankte dem Wasser. Schwer auf seinen Gehstock gest\u00fctzt blickte er widerwillig auf das Meer aus missbilligenden Blicken hinab. Einen Moment lang herrschte ein unangenehmes Schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas ist doch Bl\u00f6dsinn\u201c<\/em>, h\u00f6rte er jemanden Fl\u00fcstern.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er das erste Mal anfing zu sprechen, war seine Stimme leise und heiser. Selbst in seinen eigenen Ohren klang sie weit entfernt. Er r\u00e4usperte sich und setzte erneut an, diesmal lauter. <em>\u201eIch bin gekommen, um \u2026 um mit euch \u00fcber \u2014\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir verschwenden nur unsere Zeit. Was kann ein Krokul uns schon zu sagen haben?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Stimmen schlossen sich dem Ruf an. Nobundo z\u00f6gerte. Sein Mund bewegte sich, aber seine Stimme versagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte Recht. Es war ein Fehler.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo wandte sich zum Gehen und blickte in die gelassenen Augen ihres Propheten, ihres Anf\u00fchrers, Velen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Seher schaute Nobundo fragend an. <em>\u201eWollt Ihr uns so schnell schon wieder verlassen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo sa\u00df auf einer der Klippen, die die versengten Lande \u00fcberragten. Sie hatten sich kaum ver\u00e4ndert, seit er \u2026 wie lange war es denn her, seit er das erste Mal hierher gekommen war? F\u00fcnf Jahre? Sechs?<\/p>\n\n\n\n<p>Als er und die anderen zu dem neuen Lager der Krokul, wie man sie schlie\u00dflich nannte, geschickt wurden, war Nobundo w\u00fctend, frustriert und deprimiert gewesen. Er ging so weit weg, wie es nur m\u00f6glich war, und zwar in die einzige Richtung, die man ihm erlaubte. Er hatte sich schon immer vorgenommen gehabt, die H\u00fcgel am Rand der Zangarmarschen zu erkunden, aber am Fu\u00dfe dieser H\u00fcgel waren die Lager der ,Unber\u00fchrten\u2018, ein Gebiet, das von nun an f\u00fcr ,Seinesgleichen\u2018 Sperrzone war.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so reiste er durch die sengende Hitze, zu den Gipfeln hoch \u00fcber den wohl trostlosesten Weiten von ganz Draenor: einer W\u00fcste, \u00fcber die sich einst gr\u00fcne Wiesen erstreckt hatten, bevor die Orcs Hass und Mord brachten. Eine W\u00fcste, die von den Hexenmeistern mit ihrer abartigen Magie erschaffen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest stellten die Orcs in diesen Tagen kein allzu gro\u00dfes Problem mehr da. Es gab zwar immer noch vereinzelt Patrouillen, die jeden Draenei, der ihnen in die Quere kam, sofort t\u00f6teten, aber sie sind weniger geworden. Viele der gr\u00fcnh\u00e4utigen Wilden sind schon vor Jahren durch ihr Tor verschwunden und nie wieder zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo hatte geh\u00f6rt, dass sein Volk in Folge davon irgendwo in den Marschen eine neue Stadt errichtete. Auch egal, dachte er. Es ist eine Stadt, in der ich niemals willkommen sein werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ver\u00e4nderungen an Nobundo und den anderen gingen weiter. Es wuchsen ihnen Forts\u00e4tze, wo zuvor keine waren. Flecken und Warzen und merkw\u00fcrdige Ausw\u00fcchse \u00fcbers\u00e4ten ihre K\u00f6rper. Ihre Hufe, eines der typischsten Merkmale eines Draenei, waren ganz verschwunden und durch Dinge ersetzt worden, die missgebildeten F\u00fc\u00dfen \u00e4hnelten. Doch die Ver\u00e4nderung war nicht nur k\u00f6rperlich. Ihre Gehirne mussten sich immer mehr anstrengen, um h\u00f6here Funktionen aufrecht zu erhalten. Und einige von ihnen waren v\u00f6llig verloren, wanderten ziellos umher und sprachen mit Gestalten, die nur in ihren K\u00f6pfen existierten. Einige dieser Verirrten wachten eines Tages auf und liefen einfach fort, ohne jemals wieder zur\u00fcckzukommen. Der erste, bei dem dies geschah, war Estes. Nun hatte Korin nur noch einen Begleiter an der Seite, der die dunklen Zeiten in Shattrath mit ihr geteilt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Genug, dachte er sich. H\u00f6r auf, es hinauszuz\u00f6gern. Tu endlich, weswegen du hierher gekommen bist.<\/p>\n\n\n\n<p>Er z\u00f6gerte es hinaus, weil ein Teil von ihm wusste, dass es dieses Mal nicht anders w\u00fcrde. Aber er w\u00fcrde es trotzdem tun. So, wie er es jeden Tag in den letzten paar Jahren getan hatte\u2026 weil ein Teil von ihm immer noch hoffte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schloss die Augen, zwang alle st\u00f6renden Gedanken aus seinem Kopf und griff nach dem Licht. Bitte, nur dieses eine Mal \u2026 lass mich wieder in deinen strahlenden Glanz eintauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuch es st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n<p>Er konzentrierte sich mit jeder Unze an Entschlossenheit, die ihm zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eNobundo.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fast w\u00e4re er vor Schreck aus der Haut gefahren. Er riss die Augen auf und st\u00fctze sich mit einer Hand ab, um sein Gleichgewicht wiederzufinden. Er schaute sich um, schaute zum Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch habe dich gefunden!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Er drehte sich um und sah Korin, atmete tief durch und sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Du h\u00e4ttest es besser wissen sollen als zu glauben, dass das Licht dir wieder gesonnen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kam zu ihm her\u00fcber und setzte sich neben ihn. M\u00fcde, verwittert und irgendwie verwirrt sah sie aus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWie geht es dir?\u201c<\/em> fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eNicht schlimmer als sonst auch.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo wartete darauf, dass sie noch mehr sagen w\u00fcrde, aber Korin starrte nur die trostlose Aussicht an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden bemerkten die Gestalt nicht, die sich hinter einer in der N\u00e4he befindlichen gezackten Steinformation versteckte und sie beobachtete, sie belauschte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWolltest du mir etwas sagen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Korin dachte einen Moment lang nach. <em>\u201eOh ja!\u201c<\/em> rief sie schlie\u00dflich. <em>\u201eNeues Lagermitglied ist heute angekommen. Sagte, dass die Orcs sich \u2026 neu sammeln. Bereiten sich auf irgendetwas vor. Sie werden von einem neuen \u2026 wie hei\u00dfen die nochmal? Die, die dunkle Magie wirken?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eHexenmeister?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa, ich glaube, das war es.\u201c<\/em> Korin stand auf und trat einen Schritt nach vorne und blieb nur Zentimeter vom Rand der Klippe entfernt stehen. Lange Zeit schwieg sie still.<\/p>\n\n\n\n<p>Unweit verschwand die Gestalt hinter den Steinen, so leise, wie sie gekommen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Korins Augen schienen in die Ferne zu starren. Ihre Stimme war rau und klang, als w\u00e4re sie nicht wirklich hier. \u201eWas glaubst du wird wohl geschehen, wenn ich noch ein paar Schritte nach vorne gehe?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo z\u00f6gerte. Er war sich nicht sicher, ob sie Scherze machte. <em>\u201eIch glaube, du w\u00fcrdest hinunterfallen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa, mein K\u00f6rper w\u00fcrde fallen. Aber manchmal denke ich, dass mein Geist \u2026 fliegen w\u00fcrde? Nein, das ist nicht das richtige Wort. Wie hei\u00dft das \u2026 wenn man nach oben und nach oben geht, so wie fliegen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo dachte nach. <em>\u201eAufsteigen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa! Mein K\u00f6rper w\u00fcrde fallen, aber mein Geist w\u00fcrde aufsteigen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tage sp\u00e4ter wachte Nobundo mit Kopfschmerzen und leerem Magen auf. Er beschloss nach drau\u00dfen zu gehen und zu schauen, ob noch ein paar Fische vom gestrigen Mahl \u00fcbrig waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er aus der H\u00f6hle heraustrat, bemerkte er, dass sich die anderen versammelt hatten. Sie schirmten die Augen gegen die Sonne ab und starrten nach oben. Er trat unter einem riesigen Pilz hervor und hob den Blick. Auch er musste seine Augen mit der Hand sch\u00fctzen. Sein Mund klappte auf vor Erstaunen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Riss durchzog den blutroten Morgenhimmel. Es sah aus, als h\u00e4tte sich eine Naht ge\u00f6ffnet, ein Riss im Gewebe der Welt, durch den schwirrende Lichter und eine rohe, unsagbar m\u00e4chtige Energie eindrangen. Der Riss zitterte und tanzte wie eine riesige, glitschige Schlange aus purem Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Boden begann zu beben. Ein Druck machte sich in Nobundos Kopf breit und drohte, durch seine Ohren zu explodieren. Die Luft knisterte vor Elektrizit\u00e4t. Nobundos K\u00f6rperhaare standen ab. Und f\u00fcr einen kurzen, wahnsinnig machenden Augenblick schien es, als sei die Realit\u00e4t selbst zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Nobundo zuschaute, schien es f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde, als teilten sich die versammelten Zerschlagenen in mehrere Spiegelbilder: einige \u00e4lter, einige j\u00fcnger, einige \u00fcberhaupt keine Zerschlagenen, sondern gesunde, unber\u00fchrte Draenei. Dann verschwand die Illusion wieder. Es ging ein Ruck durch den Boden, als ob Nobundo auf einem Wagen st\u00fcnde, der pl\u00f6tzlich anfuhr. Er und die anderen wurden in den Matsch geschleudert und blieben dort liegen, w\u00e4hrend das Beben weiterging.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen Momenten ebbte das Beben ab und h\u00f6rte schlie\u00dflich ganz auf. Korin starrte mit aufgerissenen Augen zu dem Riss hinauf, der sich nun selbst wieder schloss. <em>\u201eUnsere Welt geht zu Ende\u201c<\/em>, fl\u00fcsterte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Welt ging nicht zu Ende. Aber es war nahe dran.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Nobundo am folgenden Tag zu seinem vertrauten Platz auf den Berggipfeln ging, erblickte er einen vollkommen wahnsinnig gewordenen Horizont. Rauch wehte \u00fcber den Himmel und warf einen schwarzen Schatten \u00fcber das Land. Die Luft brannte in seinen Lungen. Am Fu\u00df der Klippe, auf der er stand, hatte sich eine gro\u00dfe Kluft aufgetan. Dampf stieg daraus empor, und als Nobundo sich nach vorne beugte, konnte er tief in der Erde ein schwaches Leuchten erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Brocken waren aus dem Boden der W\u00fcste herausgeschlagen worden, und aus einem unerkl\u00e4rlichen Grund schwebten sie hoch oben in der Luft. Und Teile des Himmels sahen fast aus wie Fenster zu \u2026 irgendwas. Beinahe schien es Nobundo, als k\u00f6nne er in den Fenstern andere Welten erkennen, einige weit entfernt, einige ganz nahe. Doch ob das alles wahr oder nur ein Trugbild der Katastrophe war, konnte Nobundo nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00fcberall, \u00fcberall legte sich eine Stille \u00fcber das Land, als ob alle Wesen gestorben oder in ein fernes Versteck gefl\u00fcchtet w\u00e4ren. Und doch sp\u00fcrte Nobundo, dass er nicht alleine war. Einen Moment lang glaubte er, im Augenwinkel eine fl\u00fcchtige Bewegung bemerkt zu haben. Er suchte mit den Augen die Umgebung ab und vermutete schon fast, Korin zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts. Sein verwirrter Geist hatte ihm einen Streich gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal warf Nobundo einen Blick auf den alptraumhaften Anblick vor sich und fragte sich, ob die nahe Zukunft wohl das Ende von allem, was er kannte, bringen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Zeit verging und das Leben ging weiter. Im Lager kamen Berichte an, die erz\u00e4hlten, dass ganze Gebiete vollkommen zerst\u00f6rt worden waren. Und doch \u00fcberlebte die Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zerbrochen, verdreht und gequ\u00e4lt\u2026 Die Welt \u00fcberlebte, und so auch die Zerschlagenen. Sie ern\u00e4hrten sich von N\u00fcssen und Wurzeln und den wenigen Fischen, die sie in den Marschen finden konnten. Sie kochten ihr Wasser und suchten Zuflucht vor St\u00fcrmen, wie sie sie noch nie zuvor erlebt hatten, aber sie \u00fcberlebten. Die Jahreszeiten zogen vor\u00fcber und die Tiere kamen zur\u00fcck. Darunter auch Arten, die zuvor nicht existiert hatten, aber die Tiere waren zur\u00fcckgekehrt. Wenn den Zerschlagenen das Gl\u00fcck einer erfolgreichen Jagd zuteil wurde, hatten sie Fleisch zu essen. Sie \u00fcberlebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest die meisten von ihnen. Vor ein paar Tagen war Herac verschwunden. Viele lange Monate schon war er abwesend und verwirrt, und auch wenn Korin nicht dar\u00fcber reden wollte, wusste sowohl sie als auch Nobundo, dass er kurz davor stand, zu einem der Verirrten zu werden. Herac war der letzte von Korins Verteidigern aus Shattrath gewesen, und Nobundo f\u00fchlte mit ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo sprach mit niemandem dar\u00fcber, aber er fragte sich, ob auch er eines Tages s\u00e4mtliche Kontrolle \u00fcber seinen Geist verlieren und in die Fremde ziehen w\u00fcrde. Ob auch er eines Tages nie nieder zur\u00fcckkehren und nur noch, wenn \u00fcberhaupt, eine Erinnerung sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Er fuhr mit seiner t\u00e4glichen Wache fort und pilgerte auf seinen abgelegenen Berggipfel. Noch immer trug er die Hoffnung in sich, dass er eines Tages seine Bu\u00dfe beglichen haben und das ehrbare Licht wieder auf ihn herabscheinen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeden Tag kehrte er entt\u00e4uscht ins Lager zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jede Nacht litt er unter demselben schrecklichen Alptraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo stand au\u00dferhalb von Shattrath und h\u00e4mmerte verzweifelt mit den F\u00e4usten gegen das geschlossene Stadttor, w\u00e4hrend die Schreie der Sterbenden die Nachtluft zerrissen. Unterbewusst verstand er, dass dies nur ein weiterer Traum war, ein weiterer Alptraum, und er fragte sich geistesabwesend, ob dieser wohl derselbe sein w\u00fcrde, wie all die anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schlug immer und immer wieder gegen das Holz, bis seine geschundenen H\u00e4nde zu bluten begannen. Auf der Innenseite starben Frauen und Kinder langsame, schreckliche Tode. Ein Schrei nach dem anderen erstarb, bis nur noch ein letztes gequ\u00e4ltes Klagen blieb. Er erkannte diesen Schrei. Es war die Frau, deren Stimme durch die W\u00e4lder von Terokkar gehallt hatte, als er aus der Stadt geflohen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald verklang auch dieser Schrei und hinterlie\u00df nichts au\u00dfer Stille. Nobundo trat von den Toren zur\u00fcck und blickte an seinem schwachen, unn\u00fctzen K\u00f6rper hinab. Er zitterte und weinte und wartete auf sein unvermeidliches Erwachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Quietschen ert\u00f6nte, als die Tore sich langsam \u00f6ffneten. Nobundo schaut auf, die Augen weit aufgerissen. Das war noch nie zuvor passiert. Das war neu. Was sollte es wohl bedeuten?<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter den massiven T\u00fcren lag ein leeres unteres Viertel. Die inneren Mauern und Bollwerke wurden nur durch ein einzelnes gro\u00dfes Feuer erleuchtet, das im inneren Ring brannte<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo trat, von der W\u00e4rme der Flammen angezogen, ein. Er schaute sich um, doch er konnte keine Leichen sehen. Nichts au\u00dfer ein paar fallengelassener Waffen, die um das Feuer herum im Kreis lagen, lie\u00df auf das Massaker schlie\u00dfen, welches hier stattgefunden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Donner grollte sanft und Nobundo sp\u00fcrte einen Regentropfen auf seinem Arm. Als er einen weiteren Schritt nach vorne trat, schlossen sich die Tore hinter ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann h\u00f6rte er Ger\u00e4usche. Hinter dem Feuer erklang ein Schlurfen. Und es kam n\u00e4her. Er trug keine Waffen bei sich, nicht einmal seinen Gehstock. Das Wissen, dass dies nur ein Traum war, konnte seine Furcht nicht mindern. Er bereitete sich schon darauf vor, ein St\u00fcck brennendes Holz aus dem Feuer zu nehmen, als er eine weibliche Draenei ins Licht treten sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Der schwache Regen hielt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst l\u00e4chelte er und war erleichtert, dass jemand \u00fcberlebt hatte. Doch sein L\u00e4cheln verschwand schnell, als er den langen, blutigen Schnitt an ihrer Kehle und die Verletzungen an ihrem K\u00f6rper sah. Ihr linker Arm hing schlaff und leblos an ihrer Seite herab. Sie starrte ihn mit leeren Augen an, und doch war etwas an ihrem Verhalten \u2026 vorwurfsvoll. Als sie n\u00e4her kam sah er, dass es Shaka war. Bald folgten ihr andere. Ganze Scharen von ihnen stolperten von allen Seiten herbei, die Augen tr\u00fcbe und die K\u00f6rper mit schweren Wunden \u00fcbers\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Windsto\u00df kam und sch\u00fcrte das Feuer. Der Regen verwandelte sich in ein hartn\u00e4ckiges Nieseln. Eine nach der anderen b\u00fcckten sich die Frauen, hoben die verschiedenen Waffen vom irdenen Boden auf und kamen n\u00e4her. Nobundo nahm eine Fackel aus dem Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wollte euch retten! Ich konnte nichts tun, wollte er schreien, doch kein Wort verlie\u00df seinen Mund. Seine Bewegungen f\u00fchlten sich langsam und eingeschr\u00e4nkt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wind wurde immer st\u00e4rker und blies die Fackel in Nobundos Hand aus. Die erschlagenen Frauen kamen n\u00e4her und erhoben ihre Waffen, w\u00e4hrend der raue Wind die Flamme des Feuers hin und her warf, bis auch sie erlosch. Nobundo war von v\u00f6lliger Dunkelheit umgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wartete und lauschte\u2026 versuchte durch den str\u00f6menden Regen zu h\u00f6ren, wie sie auf ihn zukamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich schloss sich eine eiskalte Hand um seinen Arm. Nobundo schrie \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und wachte auf. Er f\u00fchlte sich ausgelaugt und m\u00fcder als vor seinem Schlaf. Die Tr\u00e4ume verlangten ihren Preis.<\/p>\n\n\n\n<p>Er beschloss, dass die Morgenluft ihm gut tun w\u00fcrde. Vielleicht war Korin wach und er k\u00f6nnte sich ein wenig mit ihr unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er trat zu den anderen, die sich zum Fr\u00fchst\u00fcck versammelt hatten, und fragte eines der neueren Mitglieder des Lagers, ob Korin heute schon gesehen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSie ist fortgegangen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eFortgegangen? Wohin? Wann?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eGerade eben. Sie hat nicht gesagt, wo sie hinwollte. Sie war irgendwie merkw\u00fcrdig \u2026 sagte, sie wolle \u2026 wie hei\u00dft das nochmal?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Zerschlagene dachte kurz angestrengt nach und nickte dann, als seine Erinnerung zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eGenau! Sie sagte, sie wolle ,aufsteigen\u2018 gehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo rannte so schnell ihn seine Beine trugen. Als er endlich die Berggipfel erreichte, brannten seine Lungen wie Feuer. Er hustete dicken gr\u00fcnen Schleim und seine Beine zitterten unkontrollierbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der kleinen Anh\u00f6he, die zur Klippe f\u00fchrte, sah er sie. Sie stand am Rand und schaute hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eKorin! Nicht!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie blickte zu ihm her\u00fcber und schenkte ihm ein schwaches L\u00e4cheln. Dann drehte sie sich um, trat still einen Schritt nach vorne und versank in einer dicken Wolke aus Dampf.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo erreichte den Rand und blickte hinunter, doch er sah nichts au\u00dfer dem schwachen Leuchten, weit, weit unter sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist zu sp\u00e4t gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wieder hatte er versagt, so wie er dabei versagt hatte, die Frauen von Shattrath zu retten. Nobundo schloss die Augen und rief in Gedanken zum Licht: Warum? Warum hast du mich verlassen? Habe ich dir nicht stets treu gedient?<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder erhielt er keine Antwort. Nur eine sanfte Brise, die die Tr\u00e4nen auf seinen Wangen trocknete.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht hatte Korin Recht. Tief in seinem Inneren wusste Nobundo genau, warum sie es getan hatte: sie wollte nicht so werden, wie die Verirrten. Vielleicht hatte sie den einzigen Ausweg gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Welt gab es nichts mehr f\u00fcr ihn. Es w\u00e4re so einfach, diese letzen Schritte zu gehen, \u00fcber die Kante zu laufen und dem Elend ein Ende zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz in der N\u00e4he trat eine Gestalt hinter den gezackten Felsen vor und machte sich bereit, laut zu rufen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Doch selbst jetzt, da er von seinem eigenen Volk versto\u00dfen wurde, vom Licht verlassen war und von den Seelen gequ\u00e4lt wurde, die er nicht hatte retten k\u00f6nnen \u2026 konnte Nobundo nicht aufgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Brise wandelte sich zu einem starken Wind, der die Dampfwolken zerriss und Nobundo kraftvoll vom Rand wegdr\u00fcckte. In seinem Rauschen h\u00f6rte er deutlich ein einzelnes Wort: Alles \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo lauschte angestrengt. Sicherlich hatte er jetzt ganz den Verstand verloren und sein Geist spielte ihm einen Streich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gestalt hinter den Felsen ging wieder in Deckung und beobachte weiter aus der Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wind wurde erneut st\u00e4rker. Alles, was \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Worte. Welch Wahnsinn war das? Das war nicht das Werk des Lichts. Das Licht \u201esprach\u201c nicht. Es war W\u00e4rme, die den K\u00f6rper erf\u00fcllte. Das war etwas Neues, etwas Anderes. Ein letzter Windsto\u00df glitt \u00fcber die Anh\u00f6he und zwang Nobundo, sich zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles, was existiert\u2026 lebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach all diesen Jahren des Flehens hatte Nobundo endlich eine Antwort bekommen. Eine Antwort, die nicht vom Licht kam \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Sondern vom Wind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo hatte von Ritualen der Orcs geh\u00f6rt, die sich mit den Elementen befassten: Erde, Wind, Feuer und Wasser. Sein Volk hatte vor dem m\u00f6rderischen Feldzug der Orcs einige der M\u00e4chte dieser <em>\u201eSchamanen\u201c<\/em> beobachtet, doch solche Dinge waren f\u00fcr die Draenei v\u00f6llig fremdartig.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Tagen kehrte Nobundo t\u00e4glich zu der Klippe zur\u00fcck, auf der er das Fl\u00fcstern im Wind vernommen hatte. Es war f\u00fcr ihn die Gewissheit, dass er nicht alleine war und ein verlockender Hinweis, dass ein Schatz an Wissen ihn erwartete. Manchmal war die Stimme im Wind sanft und beruhigend, manchmal eindringlich und energisch. Hin und wieder nagte der Zweifel an Nobundo und er f\u00fcrchtete, dass er vielleicht doch dem Wahnsinn verfallen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Am f\u00fcnften Tag, als er nahe am Rand der Klippe sa\u00df, h\u00f6rte er ein krachendes Ger\u00e4usch wie Donner, obwohl der Himmel klar war. Er \u00f6ffnete die Augen und sah, wie eine gro\u00dfe Feuers\u00e4ule jenseits des Klippenendes aus der Kluft in die H\u00f6he schoss. Die Flammen breiteten sich aus. In ihrem flackernden Tanz konnte Nobundo sich wiegende, nebelhafte Gestalten entdecken. Als das Feuer sprach, klang es wie ein gro\u00dfer, m\u00e4chtiger Sturm.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht zu den Bergen von Nagrand. Hoch oben auf den Gipfeln werdet Ihr einen Ort finden \u2026 an dem Eure wahre Reise beginnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo dachte kurz dar\u00fcber nach und antwortete: <em>\u201eUm dorthin zu gelangen muss ich die Lager der Unber\u00fchrten durchqueren, die f\u00fcr meinesgleichen verboten sind.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Feuer wurde mit einem Schlag gr\u00f6\u00dfer. Er konnte die Hitze auf seinem Gesicht sp\u00fcren. Stellt die Gelegenheit, die Euch geboten wurde, nicht in Frage!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Flammen erloschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht mit hoch erhobenem Haupt, denn Ihr seid nicht mehr alleine.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz in der N\u00e4he duckte sich Nobundos st\u00e4ndiger Beobachter tiefer hinter seinem Versteck. Auch wenn er die Elemente nicht wie Nobundo h\u00f6ren konnte, hatte er die Flammen und ihre tanzenden Bilder gesehen. Es war nicht verwunderlich, dass Nobundo, wenn er in die Augen seinen Beobachter geblickt h\u00e4tte, v\u00f6lliges Erstaunen gesehen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten beiden Tagen machte sich Nobundo auf seine beschwerliche Reise. Der Wind lag ihm st\u00e4ndig im R\u00fccken und fl\u00fcsterte ihm ins Ohr. Er erfuhr, dass die Orcschamanen mit den Elementen gesprochen hatten, doch die Verbindung war abgebrochen, als sie sich der teuflischen Magie verschrieben hatten. Er h\u00e4tte noch mehr erfahren k\u00f6nnen, doch Nobundo hatte oft Schwierigkeiten, alles zu verstehen. Es war, als ob das Gespr\u00e4ch gefiltert oder ged\u00e4mpft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrmals auf seinem Weg meinte er, Schritte irgendwo hinter sich zu h\u00f6ren. Immer wenn er sich umdrehte, hatte er das Gef\u00fchl, dass wer oder was auch immer ihm folgte sich im letzten Moment versteckte. Er fragte sich, ob es wohl die Elemente waren. Oder nur ein Hirngespinst.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er schlie\u00dflich an den Lagern der Unber\u00fchrten ankam, war die Sonne schon l\u00e4ngst vom Himmel verschwunden. Dennoch hatten Wachleute sein N\u00e4herkommen schon bemerkt. Als er das Gebiet des Lagers erreichte, wurde er bereits von zwei W\u00e4chtern erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas wollt Ihr hier?\u201c<\/em> fragte der gr\u00f6\u00dfere der beiden W\u00e4chter.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch m\u00f6chte nur auf dem Weg zum Gebirge passieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einige Mitglieder des Lagers waren hergekommen und betrachteten Nobundo misstrauisch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir haben strenge Anweisungen. In den Lagern sind keine Krokul erlaubt. Ihr m\u00fcsst woanders hingehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch m\u00f6chte nicht in Eurem Lager bleiben, ich will nur hindurchgehen.\u201c<\/em> Nobundo trat einen Schritt nach vorne.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6\u00dfere der W\u00e4chter lie\u00df seine Hand hervorschnellen und schob Nobundo zur\u00fcck. <em>\u201eIch habe Euch gesagt \u2014\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich zerriss ein ohrenbet\u00e4ubendes Donnern die Luft und wo noch Sekunden zuvor klarer Himmel war, verdunkelten nun schwarze Wolken den Himmel und vergossen sintflutartigen Regen. Der Wind, der Nobundo sanft vorangetrieben hatte, wehte nun mit unfassbarer St\u00e4rke und dr\u00e4ngte die beiden Wachen zur\u00fcck. Das Unglaublichste war jedoch, dass der Wind und der peitschende Regen sich um Nobundo herum bewegten und die beiden Wachen bedr\u00e4ngten, die in den feuchten Schlamm fielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo verfolgte die Geschehnisse mit vor Verwunderung aufgerissenen Augen. <em>\u201eDas bedeutet es also\u201c<\/em>, sinnte er nach, <em>\u201edie Elemente auf seiner Seite zu haben.\u201c<\/em> Er l\u00e4chelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitglieder des Lagers fl\u00fcchteten Schutz suchend in ihre H\u00f6hlen. Die Wachen starrten Nobundo furchterf\u00fcllt an. Nobundo ging einfach weiter. Auf seinen Stab gelehnt durchschritt er langsam das Lager, bis er schlie\u00dflich an den H\u00fcgeln angekommen war und die Lagerbewohner geschockt, ver\u00e4ngstigt und verwirrt hinter sich zur\u00fccklie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gestalt, die Nobundo gefolgt war, trat aus ihrem Versteck hinter einem der riesigen Pilze hervor. Sie wagte nicht, ihm zu folgen, denn schlie\u00dflich war auch sie Krokul.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Geschehnisse, die Akama gerade beobachtet hatte, pflanzten einen Gedanken in ihm. Seit er aus seinem langen Schlaf erwacht war, f\u00fchlte er nichts au\u00dfer Verzweiflung und einer qu\u00e4lenden Angst vor der Zukunft. Doch zu sehen, was dieser Krokul gerade vollbracht hatte, zu sehen, wie die Elemente sich zu seiner Verteidigung erhoben hatten, weckte in Akama ein Gef\u00fchl, von dem er lange Zeit geglaubt hatte, dass es f\u00fcr immer erloschen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00fchlte Hoffnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser neu gewonnenen Hoffnung wandte er sich um und glitt lautlos zur\u00fcck in die Marschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Stunden sp\u00e4ter und von M\u00fcdigkeit geplagt erklomm Nobundo die oberen Bereiche der Berge und erblickte Anzeichen einer frischen, gr\u00fcnen Pflanzenwelt. Wenn seine Schritte durch die Ersch\u00f6pfung langsamer wurden, schob der Wind ihn vorw\u00e4rts. Die Erde unter seinen F\u00fc\u00dfen schien ihm Kraft zu geben. Und auch wenn der Regen weiter fiel, fand kein Tropfen Nobundos K\u00f6rper. Der Regen sammelte sich in erfrischenden B\u00e4chen, an denen Nobundo begierig seinen Durst stillte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er sich den Gipfeln n\u00e4herte, vernahm er in seinem Geist sich streitende Stimmen: eine tiefe und eindringliche Stimme, gefolgt von dem vertrauten Ger\u00e4usch des Windes und schlie\u00dflich das gelegentliche Donnern des Feuers. Die Stimmen schienen chaotisch und gerieten im Versuch, mit ihm zu kommunizieren, durcheinander. Der Missklang in seinem Kopf zwang ihn schlie\u00dflich anzuhalten. Genug! Ich kann euch nicht alle auf einmal verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo sammelte alle Kr\u00e4fte, die ihm noch zur Verf\u00fcgung standen, und stieg auf einen H\u00fcgel, von dem aus sich ein wundervoller Ausblick auf die gr\u00fcnende Umgebung er\u00f6ffnete. Vor ihm lag Draenor, wie es einst gewesen war. Fruchtbar und heiter, ein sch\u00f6ner Garten der Zuflucht mit springenden Wasserf\u00e4llen und voller Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Du musst ihnen vergeben. Es ist schon zu lange her, dass sie den Einfluss eines Schamanen gesp\u00fcrt haben. Sie sind w\u00fctend, verwirrt und noch immer verletzt durch die Entt\u00e4uschung, die sie hinnehmen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Katastrophe\u201c<\/em>, sagte Nobundo, w\u00e4hrend er weiter in die ruhige Umgebung tauchte. Er kniete sich nieder, trank aus einem kleinen Teich und f\u00fchlte sich sofort j\u00fcnger. Er sp\u00fcrte, wie sein Geist sich \u00f6ffnete und seine Gedanken eins mit der Umgebung und die Umgebung eins mit ihm wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stimme, die ihm antwortete, war klar und beruhigend und stark und kr\u00e4ftig zugleich. Ja. Ich habe wahrscheinlich am wenigsten darunter gelitten, aber so war es schon immer gewesen. Es ist wichtig, dass ich mich schnell anpassen kann, da ich die Grundlagen des Lebens bieten muss.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWasser.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Er sp\u00fcrte die Best\u00e4tigung mehr, als er sie h\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Willkommen. Hier in dieser stillen Zuflucht existieren die Elemente im Frieden miteinander, sodass unsere Unterhaltung mit Euch leichter vonstatten gehen wird, vor allem in der ersten Zeit Eurer Reise, bevor Ihr gelernt habt, unsere Absicht ohne Worte zu verstehen. Wahres Wissen und Verst\u00e4ndnis wird Jahre ben\u00f6tigen, aber wenn Ihr Euch bem\u00fcht, werdet Ihr mit der Zeit in der Lage sein, uns zu rufen \u2026 doch niemals uns zu befehlen. Wenn Ihr uns jedoch mit Respekt begegnet und Eure Taten selbstlos bleiben, werden wir Euch nie verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWarum habt ihr mich erw\u00e4hlt?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Katastrophe hat uns in Aufruhr und Unsicherheit versetzt. Lange Zeit waren wir verloren. In Euch fanden wir einen verwandten Geist, genauso verwirrt und vernachl\u00e4ssigt. Es hat lange Zeit gedauert, bis wir uns ausreichend erholt hatten, um wieder Kontakt aufnehmen zu k\u00f6nnen, doch als wir es taten hofften wir, dass Ihr \u2026 empf\u00e4nglich sein w\u00fcrdet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Nobundo schien das alles fast zu sch\u00f6n um wahr zu sein. Aber was war mit dem Licht? W\u00fcrde er es verraten, wenn er einen neuen Weg einschlug? W\u00fcrde er ihm den R\u00fccken kehren? War dies eine Pr\u00fcfung?<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re das Risiko wert, wenn \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWerde ich diese F\u00e4higkeiten einsetzen k\u00f6nnen, um meinem Volk zu helfen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Die Verbindung zwischen den Elementen und dem Schamanen basiert auf Geben und Nehmen. Der Einfluss des Schamanen hilft dabei, uns zu beruhigen und zu vereinen, so wie unser Einfluss den Schamanen bereichert und erf\u00fcllt. Wenn Ihr Eure Ausbildung abgeschlossen habt, k\u00f6nnt Ihr die Elemente anrufen, wenn Ihr in Not seid. Wenn die Elemente Eure Sache f\u00fcr w\u00fcrdig erachten, werden wir Euch auf jede erdenkliche Weise helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahres Verst\u00e4ndnis, wie das Wasser es versprach, ben\u00f6tigte Jahre. Doch schon bald begann Nobundo, die Lebensenergien um ihn herum zu verstehen. Er wurde sich mit Begeisterung bewusst, dass jedes existierende Ding, von den gr\u00f6\u00dften Tieren Nagrands bis hin zu einem scheinbar unwichtigen Sandkorn, mit Lebensenergie erf\u00fcllt war, und dass diese Energien miteinander verbunden und voneinander abh\u00e4ngig waren, ganz gleich, wo sie waren und wie unterschiedlich sie waren. Er konnte diese Energien f\u00fchlen, als w\u00e4ren sie ein Teil von ihm, und er verstand nun, dass sie das auch waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Elemente hielten ihr Versprechen und beschenkten ihn mit Aspekten ihrer Natur. Vom Wasser erhielt er die Klarheit und die Geduld. Zum ersten Mal seit vielen Jahren war sein Geist wieder ungetr\u00fcbt. Vom Feuer bekam er die Leidenschaft, eine neue Freude am Leben und das Verlangen, alle Hindernisse zu \u00fcberwinden. Die Erde schenkte ihm Entschlossenheit, einen eisernen Willen und eine unersch\u00fctterliche \u00dcberzeugung. Vom Wind lernte er Mut, Hartn\u00e4ckigkeit und wie man trotz aller Steine im Wege immer noch weiter durchhalten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch gab es eine entscheidende Lektion, die sich ihm entzog. Er konnte sp\u00fcren, dass die Elemente etwas vor ihm zur\u00fcckhielten. Etwas, f\u00fcr das er einfach noch nicht bereit war.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u2026 die Alptr\u00e4ume blieben. Sie waren zwar etwas schw\u00e4cher geworden, doch jede Nacht klopfte Nobundo an die Tore von Shattrath, w\u00e4hrend die Schreie der Sterbenden in seinen Ohren gellten. Und nun, wenn er durch die Tore schritt und beim Feuer stand, wenn die Toten vorwurfsvoll auf ihn zukamen, war Korin unter ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00fchlte den beruhigenden Klang des Wassers. Wir sp\u00fcren, dass Ihr immer noch \u2026 zerrissen seid.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa\u201c<\/em>, antwortete er. <em>\u201eDie Geister derer, die in Shattrath dahingeschieden sind, suchen mich heim. K\u00f6nnen mir die Elemente dabei helfen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Zerrissenheit liegt nicht in den Geistern der Verstorbenen, sondern in Euch. Ihr m\u00fcsst diesen Zwiespalt alleine l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWird dieser innere Kampf mich daran hindern, meine wahre Macht als Schamane zu entdecken?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gef\u00fchl der Fr\u00f6hlichkeit ging von den Teichen um ihn herum aus. Von allen Elementen war das Wasser das heiterste. Eure Zerrissenheit spiegelt sich im Himmel \u00fcber Euch, im Boden unter Euch, in mir und besonders im Feuer wider. Es ist ein Spiegelbild des ewigen Kampfes der Natur, Gleichgewicht zu erreichen und zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo dachte einen Moment lang nach. <em>\u201eGanz gleich, wie weit mich meine Reise f\u00fchren mag \u2026 Ich nehme an, dass das wahre Verst\u00e4ndnis in dem Wissen liegt, dass die Reise niemals enden wird.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gut \u2026 sehr gut. Es ist nun an der Zeit, dass Ihr den n\u00e4chsten Schritt wagt, der vielleicht der wichtigste von allen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch bin bereit.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dft Eure Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo tat, wie ihm gehei\u00dfen. Er sp\u00fcrte, wie die Erde unter ihm verschwand und wie die Elemente sich zur\u00fcckzogen. Eine schreckliche Sekunde lang war sein Geist wieder in Shattrath, verlassen und der Dunkelheit ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann f\u00fchlte er \u2026 etwas. Etwas, was vollkommen anders war, als die anderen Elemente. In seiner Gegenwart f\u00fchlte Nobundo sich sehr, sehr klein. Es f\u00fchlte sich riesig an: kalt, aber nicht abweisend. Dann sprach die Pr\u00e4senz zu ihm mit dem Klang von tausend Stimmen, sowohl m\u00e4nnlich als auch weiblich, eine harmonische Sinfonie in ihm und um ihn herum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6ffnet die Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo folgte der Aufforderung. Und wieder f\u00fchlte er sich klein und unbedeutend, als er auf eine dunkle, unendliche Weite blickte, in der Myriaden von Welten ruhten. Manche wie Draenor, manche gro\u00dfe Kugeln aus Eis und Frost, manche mit Wasser bedeckt, manche leblos und brach.<\/p>\n\n\n\n<p>Und pl\u00f6tzlich verstand Nobundo \u2026 es schien so einfach, und doch war dieses Konzept Nobundos Geist v\u00f6llig fremd: es gab unz\u00e4hlige Welten. Soviel wusste er bereits, da sein Volk von Welt zu Welt gereist war, bis es sich auf Draenor niedergelassen hatte. Aber Nobundo hatte nie zuvor verstanden, dass auch die Kraft der Elemente viel weiter reichte. Jede Welt hatte ihre eigenen Elemente und ihre eigenen Kr\u00e4fte, die sie rufen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es gab noch mehr. Hier drau\u00dfen in der Leere war ein weiteres Element, das die Welten zu verbinden schien und das aus unaussprechlicher Energie bestand. Wenn er dieses Element rufen k\u00f6nnte \u2013 doch er wusste sofort, dass er zu diesem Zeitpunkt zu unerfahren war, um mit dem mysteri\u00f6sen neuen Element zu kommunizieren. Dies war nur ein fl\u00fcchtiger Eindruck, ein Geschenk des Verst\u00e4ndnisses \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Eingebung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"kap4\">Kapitel 4<\/h2>\n\n\n<p>Velen begutachtete Nobundo mit seinen kristallblauen Augen. Nobundo protestierte, <em>\u201eSie werden mir nicht zuh\u00f6ren! Ich glaube nicht, dass dies eine gute Idee war.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Velen sch\u00fcrzte die Lippen. Wie einst gab sein Gesichtsausdruck Nobundo das Gef\u00fchl, dass der Prophet sich so vieler Dinge bewusst war, die Nobundos Verstand bei weitem \u00fcberschritten. <em>\u201eNach allem, was Ihr durchgemacht habt und nach allen Hindernissen, die Ihr \u00fcberwunden habt, wollt Ihr nun wirklich aufgeben?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch kann sie nicht dazu bringen, in mir mehr zu sehen, als einen Krokul, v\u00f6llig gleich, was ich ihnen beizubringen vermag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eVielleicht liegt das wahre Problem nicht bei ihnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Genau das haben die Elemente gesagt, null, dachte Nobundo.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus fr\u00fcheren Gespr\u00e4chen hatte Nobundo gelernt, gar nicht erst zu versuchen zu erraten, was der Prophet dachte. Daher blieb er still und wartete.<\/p>\n\n\n\n<p>Velen fuhr fort, <em>\u201eIch h\u00f6re die Schreie in Eurem Geist: die Frauen von Shattrath. Ich wei\u00df von der Last auf Eurem Herzen. Ihr fragt Euch, ob Eure Flucht eine feige Handlung war.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo nickte und wurde pl\u00f6tzlich von Gef\u00fchlen \u00fcberw\u00e4ltigt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEin Teil von Euch wusste schon damals, dass Euer \u00dcberleben von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit war, um einem h\u00f6heren Ziel zu folgen. Und auch wenn Ihr seit dieser Zeit so viele Pr\u00fcfungen bestehen musstet, habt Ihr nie aufgegeben. Daher habe ich Euch erw\u00e4hlt. Daher haben die Elemente Euch erw\u00e4hlt. Unser Volk nennt Euch Krokul, Zerschlagene. Ich glaube jedoch, dass Ihr f\u00fcr uns die gr\u00f6\u00dfte Hoffnung bedeuten k\u00f6nntet.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Velen legte sanft seine Hand auf Nobundos Schulter. <em>\u201eLasst sie gehen. Lasst die Schreie verklingen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es war wahr. Er war kein Feigling. Ein Teil von ihm hatte es die ganze Zeit gewusst, doch im Laufe der Geschehnisse seit damals war dieser Teil v\u00f6llig verloren gegangen. Nobundo seufzte tief. Und irgendwie wusste er schon jetzt, dass ihn heute Nacht, wenn er sich schlafen legte, kein Alptraum erwarten w\u00fcrde. Er sp\u00fcrte ein Gef\u00fchl der Freude von den Elementen, als w\u00e4ren sie \u2026 stolz.<\/p>\n\n\n\n<p>Velen l\u00e4chelte. <em>\u201eUnd nun tut uns allen einen Gefallen und geht. Geht und erf\u00fcllt Euer Schicksal.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo kehrte auf die Terrasse zur\u00fcck. Die versammelten Draenei unterhielten sich miteinander und schenkten der schw\u00e4chlichen Gestalt \u00fcber ihnen keinerlei Beachtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hob seinen Stab. Wolken zogen am blauen Himmel auf und warfen dunkle Schatten auf die Siedlung. Die Gespr\u00e4che der Draenei verstummten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo fing an zu sprechen, und seine Stimme hallte durch die Marschen. <em>\u201eSchaut zu und lauscht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Regen ergoss sich in Str\u00f6men vom Himmel. Blitze tanzten zwischen den Lampen um den Platz herum, hin und her und zertr\u00fcmmerten das Glas. Die versammelten Draenei bestaunten das Spektakel mit offenem Mund.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIhr seid hergekommen, um zu lernen. Um eines Tages diese Kr\u00e4fte zu beherrschen: die Kr\u00e4fte eines Schamanen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eAber Schamanismus ist ein Brauch der Orcs!\u201c<\/em> rief jemand aus dem Publikum. Andere schlossen sich den Rufen an.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eJa. Ein Brauch, den sie zugunsten der d\u00e4monischen Magie aufgegeben haben. Nun werden wir den Weg des Schamanismus gehen, einen Weg, der uns in eine Zukunft f\u00fchren wird, in der niemand unsere Frauen t\u00f6tet \u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo unterbrach sich und bem\u00fchte sich, seine Stimme ruhig zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eOder unsere Kinder. Wo die Krokul und die Unber\u00fchrten zusammen an der Verwirklichung eines Traums unseres Volkes arbeiten, der vor langer Zeit in Vergessenheit geraten ist: wahre Freiheit.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitglieder der Versammlung schauten sich an und suchten im Gesicht der anderen nach Zustimmung oder Ablehnung. Schlie\u00dflich kamen sie alle zum gleichen Schluss: Sie w\u00fcrden zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEure Reise beginnt mit diesen einfachen Worten \u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nobundo l\u00e4chelte. Die Wolken am Himmel wirbelten umher. Die Blitze zuckten. Der Regen fiel.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eAlles, was existiert, lebt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\" id=\"book_footer\">Buchinformationen &amp; Anh\u00e4nge<\/h5>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine Kurzgeschichte von Micky Neilson mit dem Titel: &#8220;Ungebrochen&#8221;. Sie wurde zwecks der besseren Verwendbarkeit im Rollenspiel durch den zu Beginn des Buches genannten Spieler in das Format eines TRP3-Items \u00fcbertragen.\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\n<a href=\"https:\/\/worldofwarcraft.blizzard.com\/de-de\/story\/short-story\/unbroken\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Blizzard]<\/a>\n<a href=\"https:\/\/wowpedia.fandom.com\/wiki\/Unbroken_(short_story)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Wowpedia]<\/a>\n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"su-spoiler su-spoiler-style-fancy su-spoiler-icon-chevron su-spoiler-closed\" data-scroll-offset=\"0\" data-anchor-in-url=\"no\"><div class=\"su-spoiler-title\" tabindex=\"0\" role=\"button\"><span class=\"su-spoiler-icon\"><\/span>Total RP 3 Extended Item-Code (Klicken zum erweitern\u2026)<\/div><div class=\"su-spoiler-content su-u-clearfix 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