
Vor langer Zeit, lebte ein Bambusschneider mit seiner Frau, in einer alten Hütte im Jadewald. Jeden Morgen ging er in den Wald, um Bambus zu schneiden. Zu Hause verarbeiteten er und seine Frau, den Bambus zu verschiedenen Dingen, welche sie auf dem Markt verkauften. Die beiden hatten nicht viel, mussten auch mal hungern und waren nicht mit eigenen Kindern gesegnet worden. Aber sie waren glücklich miteinander.
Eines Tages fiel dem Bambusschneider ein seltsam leuchtender Bambus auf. Neugierig, schnitt er vorsichtig den Bambus und konnte seinen eigenen Augen nicht trauen. Er fand in dem Bambus, ein kleines Mädchen. Gerade mal so groß wie sein eigener Daumen. Sie war das schönste Kind, welches er je gesehen hatte. Er nahm sie mit nach Hause. Als er zu Hause ankam, rief er nach seiner Frau: „Meine liebe Frau, komm und sieh dir an, was ich gefunden habe.“
Er öffnete die Pranken. Sofort begann das ganze Haus, von innen wie außen zu strahlen. Hell wie der Mond. Seine Frau war sofort verzaubert und schlug vor: „Wir sollten das Mädchen, Mondschein, nennen.“
Die Frau nahm ein Tuch und legte Mondschein darauf. Als sie sie bewundern wollte, wehte der Wind durchs Fenster und Mondschein flog beinahe davon.
Als der Wind aufhörte, glitt das Tuch mit dem Mädchen gen Boden. Dabei verwandelte sich das Mädchen in ein normalgroßes Pandarenbaby. Das Paar sah sich überrascht an, ehe die beiden warm zu lächeln begannen. „Unser Mondschein wird einfach wunderbar sein“, sprach die Frau des Bambusschneiders.
Am nächsten Morgen, ging der Bambusschneider wieder in den Wald, um Bambus zu schneiden. Plötzlich fand er im Bambus, kostbare und wunderschöne Jade. Und das bei jedem Bambus, den er schnitt.
Als er damit nach Hause kam, wussten er und seine Frau sofort, dass dies nur wegen ihrem Mondschein sein konnte. Von da an, kehrte der Bambusschneider, jeden Tag mit einer Pranke voll kostbarer Jade heim. Bald waren die Tage der Armut vergangen und die beiden vergrößerten ihr Haus. Die drei aßen ordentlich und ihrem Mondschein musste es an nichts fehlen, um gesund und liebevoll aufzuwachsen.
Die Monate vergingen und ihr Mondschein wuchs deutlich schneller als normale Kinder. So war sie schnell zu der wahrscheinlich schönsten Frau Pandarias herangewachsen. Mit jadefarbenden Augen, seidigem schwarzen Haar und samtweichem Fell.
Die Männer wurden natürlich auf sie aufmerksam. Und so begann sich der Bambusschneider Sorgen zu machen. Er könne seine Tochter immerhin nicht für immer in dem Haus behalten. Also sprach er mit seiner Frau und seiner Tochter, über die Ehe und dass es viele Verehrer gab.
„Aber Vater, ich kann nicht ohne dich leben, warum willst du mich wegschicken?“, wollte Mondschein wissen. „Oh nein, mein liebes Kind. Ich will dich nicht wegschicken. Ich liebe dich als meine Tochter, doch Liebe lehrt uns, nicht egoistisch zu sein. Ich muss dich gehen und dein eigenes Leben, leben lassen. Aber ich werde dich nie zwingen, jemanden zu heiraten. Schau dir die Bewerber aber doch mal an.“
Dies tat Mondschein dann auch, liebte sie ihren Vater doch zu sehr, als dass sie seiner Bitte nicht nachkommen würde. Fünf junge Herren kamen also zum Haus. Alle waren geradezu geblendet von ihrer Schönheit und sofort begannen sie zu streiten. Mondschein hob die Pfote und brachte die Herren so zum Schweigen.
„Wenn einer von euch etwas findet, was heller strahlt, als ich, dann werde ich ihn heiraten“, stellte sie den Herren als Aufgabe. Die Herren nickten ohne ein weiteres Wort und machten sich auf die Suche in ganz Pandaria. Doch niemand konnte etwas finden. Wochen vergingen, bis ein Meister des Tempels der Jadeschlange vorbeikam. Er fragte ebenfalls Mondschein, was er tun sollte. Auch hier gab sie die gleiche Aufgabe. Daraufhin schüttelte der Meister den Kopf und antwortete: „Es vermag nichts auf dieser Welt geben, was heller strahlt als Ihr und Eure Schönheit.“
Der Meister wollte gerade gehen, als Mondschein ihn bat, zu warten. „Dann habe ich nur einen Wunsch an Euch. Respektiert meine Entscheidung, nicht heiraten zu wollen, doch seid mir stattdessen ein Freund.“ Der Meister nickte und willigte ein. Und die beiden wurden beste Freunde.
Eines Tages, wollte der Bambusschneider am Abend nach seiner Tochter sehen. Er fand sie am Fenster sitzend. „Warum sitzt du dort?“, fragte er mit sanfter Stimme. „Ich habe einen Traum gehabt. Sie werden mich holen. Am fünfundzwanzigsten diesen Monats“, antwortet Mondschein traurig. Der Bambusschneider versprach Mondschein, dass er niemals zulassen würde, dass sie jemand gegen ihren Willen holen würde. Am nächsten Tag suchte er den Meister auf und erzählte ihm davon. Dieser versammelte sofort die fähigsten Mönche und Kämpfer des Tempels der Jadeschange.
Als der Tag gekommen war, bewachten diese das Haus des Bambusschneiders. Der Meister natürlich ebenfalls. Als es Nacht wurde, sah der Bambusschneider zum Himmel. Das erste Mal in all der Zeit, fiel ihm auf, wie schwach der Mond doch schien. Plötzlich strahlte ein Licht vom Himmel und blendete alle. Eine liebliche Melodie erklang. Und eine Sänfte, getragen von winzigen, wunderschönen Frauen, glitt in dem Licht vom Himmel hinab. Mondschein schloss ihre Augen und begann zu schweben. Der Bambusschneider und seine Frau konnten sie nicht festhalten, egal was sie versuchten.
Sie landete knapp vor der Sänfte. Zwei der winzigen Frauen, berührten Mondschein mit silbern glänzenden Federn. Daraufhin wurde ihr Kleid, welches sie trug, länger und färbte sich strahlend weiß. Ein blumiges Muster bildete sich auf dem Kleid. Mondschein öffnete ihre Augen und ging zu ihren Eltern.
Sie umarmte die beiden. „Vater, Mutter, ihr wart so gut zu mir. Doch muss ich zu meinem Volk zurückkehren“, sprach Mondschein und deutete auf den Mond. „Dass der Mond so schwach leuchtet, liegt an mir. Ich bin das Mondlicht. Ohne mich ist der Mond unvollständig. Ohne mich, kann der Mond die Völker Azeroths, nicht durch die dunklen Nächte leiten“, erklärte sie und fuhr fort. „Ich verschwand tagsüber und vergaß, wer ich war. Doch nun weiß ich es wieder“, lächelte Mondschein sanft.
„Also musst du jetzt gehen? Wirst du uns nicht vermissen?“ Fragte ihre Mutter. „Mutter, ich werde jeden Abend zu dir kommen.“ Sie schenkte ihrer Mutter ein warmes Lächeln. Dann sah sie zu dem Meister. „Du warst mir ein guter Freund. Ich werde dich nie vergessen“, sprach sie zu ihm. „Und ich werde nie jemand oder etwas Schöneres finden“, erwiderte der Meister. Dann stieg Mondschein auf die Sänfte und flog gen Himmel. Wissend, dass sie über alle wachen würde.
Der Bambusschneider wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und wartete gespannt. Der Mond bekam sein Leuchten wieder und erhellte ab da an jede Nacht aufs Neue. Der Bambusschneider und seine Frau, bauten ihr Haus wieder zu der kleinen Hütte um. So konnte der Mondschein durch das alte Dach scheinen. Und der Meister saß jeden Abend im Freien und schaute zum Mond hinauf, um sich freudig an all die Zeit mit seiner besten Freundin zu erinnern. Der Meister hatte nie jemand anderen geheiratet. Der Bambusschneider und seine Frau, verbrachten den Rest ihres Lebens in Frieden.
Möge der Mond nie sein Licht verlieren.
Ende

