Elfenjahr – Ein besonderer Tag

Elfenjahr - Ein besonderer Tag
Eine bebilderte Kindergeschichte über einen wunderschönen Garten und seine Bewohner. Dies ist die zweite Geschichte der Reihe "Elfenjahr".

2. Geschichte

Lukas war hellwach, obwohl die Vögel ihr Morgenkonzert gerade erst begannen. Geweckt hatte ihn das aufgeregte, helle Gefühl in seinem Bauch und seinem Herz. Es schien in diesem Moment seinen ganzen Körper zu erfüllen. So sehr, dass seine Beine gar nicht mehr stillhalten wollten.

Heute war sein Tag. Sein Geburtstag.

Er hatte schon vor Wochen begonnen zu fragen, wann es endlich soweit sein würde und das Warten schien kein Ende zu nehmen. Bis heute.

Endlich hörte er leises Fußgetrappel vor seiner Zimmertür. Lukas kribbelte es überall vor Aufregung. Er hörte seinen jüngeren Bruder
leise zählen: “Eins … zwei … drei…” und dann sangen sie gemeinsam: “Wie schön, dass Du geboren bist …”

Langsam öffnete sich seine Zimmertür. Lukas schlug die Decke zurück, sprang aus dem Bett und wurde herzlich beglückwünscht. Danach gingen sie gemeinsam, Lukas voran, in die Küche.

Lukas schnupperte: Es roch nach Kerzen und gebackenem Kuchen. Es roch nach Geburtstag.

Eine Welle der Freude durchströmte ihn. Auf dem geschmückten Esstisch brannten die Geburtstags-kerzen. Sie verbreiteten ein wunderschönes, warmes Licht.

Lukas fühlte sich ganz wunderbar und war richtig fröhlich. Sein Tag begann fabelhaft. Es war Sonntag. Seine Geburtstagsfeier fand erst nächsten Samstag statt.

Nachmittags kam Laura vorbei. Sie schüttelte ihm überschwänglich die Hand und sagte: “Lieber Lukas, ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag. Ich finde es wundervoll, dich zu kennen. Ich habe eine Überraschung für dich … sie ist bei Tanissa.”

“Verrätst du sie mir?”, fragte Lukas. “Nö”, sagte Laura vergnügt und lachte, “es ist doch eine Überraschung! Komm.”

“Warte, ich nehm den Kuchen mit, den meine Mutter gebacken hat.”

“Ich habe schon Hunger”, sagte Laura.

Das Tor des geheimnisvollen Gartens stand wieder offen und ließ die beiden Kinder eintreten. Tanissa, die alte Kaldorei mit dem schneeweißen Haar, hatte Tee und Saft bereitgestellt und saß gemütlich unter dem blühenden Apfelbaum. Gerade so, als hätte sie die beiden schon erwartet.

Lukas packte den Kuchen aus. “Marzipankuchen?” Laura verschränkte die Arme und zog ein Gesicht. “Was ist?”, fragte Lukas.

“Ich mag keinen Marzipankuchen. Das weißt du.”

“Aber es ist mein Geburtstag und ich liebe Marzipankuchen. Ich habe ihn mir extra gewünscht”, gab Lukas zurück.

Sie schwiegen beide. Zaghaft sagte Laura: “Ich mag kein Marzipan. Und ich hatte mich so auf den Kuchen gefreut.”

“Marzipankuchen ist eben mein allererstes Lieblingsessen. Ich habe vergessen, dass du kein Marzipan magst, weil ich es so lecker finde. Wenn ich an Marzipankuchen denke, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass ihn jemand nicht mag.”

Tanissa sah Laura an und dachte kurz nach: “Ich habe noch Plätzchen, magst du dir welche holen?”

Das tat Laura gern. Tanissas Kekse waren lecker und ein guter Ersatz. Nachdem sich alle satt gegessen hatte, überreichte Laura Lukas ein längliches Päckchen.

Als er es aufriss, flog das Papier nur so zu allen Seiten. Sehr zur Freude von Stella, die angesprungen kam und fröhlich miauend mit dem Papier zu spielen begann.

Lukas freute sich. Es war ein kleiner Farbkasten. Voller bunter Farben. Mit feinen Pinseln dazu. “Danke”, Lukas sah Laura strahlend an, “ich würde ihn am liebsten gleich ausprobieren.”

“Ich habe auch noch etwas”, Tanissa begann in ihrer Tasche nach etwas zu suchen. Sie zog vier Murmeln hervor. Eine war deutlich größer als die anderen.

“Wir könnten sie anmalen, wenn du willst.”

“Toll”, antwortete Lukas

“Wieso sind es denn vier und eine größere?”, wollte Laura wissen und sah Tanissa fragend an. “Na, die ist für Stella.” Sie lächelte. “Sie spielt so gern damit.”

Als die Murmeln zum Trocknen in der Sonne lagen, leuchteten die Farben hell und glitzerten vor sich hin. Die Murmeln waren alle ganz unterschiedlich geworden, jede auf ihre Weise wunderschön.

Tanissa nickte nachdenklich: “Wie die vielen Völker auf Azeroth.” Lukas lachte: “Nur die Arme und Beine fehlen.” Tanissa und Laura lachten mit.

“Ich meine, die Farben. Jedes Kind, das auf die Welt kommt, ist wunderschön und einmalig, wie diese Murmeln. Egal ob Mensch, Gnom, Zwerg, Kaldorei … ” sie schüttelte vergnügt den Kopf. “Ihr wisst was ich meine.”

“Ja, jeder ist auf seine Weise etwas Besonderes”, nickte Laura, “und jeder ist anders.”

Lukas knuffte Laura leicht mit dem Ellbogen in die Seite und sagte: “Ja. Es gibt Menschen, die mögen keine Marzipantorte.”

Laura lachte. “Dafür aber Plätzchen.”

Als die Murmeln getrocknete waren, setzte bereits die Dämmerung ein und Lukas und Laura verabschiedeten sich. Beide legten die angemalte Murmel zuhause neben ihr Kopfkissen und kuschelten sich glücklich und zufrieden in ihre Decken.

Elune, die weiße Lady, stand hoch am klaren Nachthimmel. Lächelnd warf sie in jener Nacht ihre silbrig glitzernden Strahlen durch die Fenster der beiden und tauchte Lukas und Laura in ein wunderschönes Licht.


OOC Nachwort:
Vielen lieben Dank an Simone Wustrack und Marina Rädiker für die Erlaubnis ihre Geschichten unter der Creative Commons Lizenz mit anderen zu teilen.

“Der geheimnisvolle Garten”
Erschienen 2017 auf www.perlenjahr.de.
Dort auch bebildert und zum Anhören für Kinder die nicht auf Azeroth leben.

[Die Aldor-Wiki]

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