Eine romantische Kurzgeschichte aus dem Lageralltag der Waldläufer-Rekrutin Ayala.
Bei dieser Ausgabe handelt es sich um eine handschriftliche Festeinband-Abschrift des 3-Kupfer Romans: “Befehl ist Befehl” von Loriande Federblatt, die als Archiv-, Zier- oder Sammler-Ausgabe anzusehen ist.
Die originale ‘3-Kupfer’-Fassung kann auf Wunsch zu niedrigeren Gesamtpreis direkt über die Autorin dieses Werkes bezogen werden.
Es war eines der ersten Male, da sie wahrlich ihrem Kommandanten selbst Zeugnis ablegte. Sie war überrascht gewesen, dass er nach ihr verlangt hatte und sie die Ergebnisse der Spähübung präsentieren sollte. Die anderen waren darüber nur mäßig begeistert gewesen, doch Befehl ist Befehl.
Also hatte sie Rechenschaft abgelegt, berichtete unter dem strengen Blick Ravaels die angewandten Taktiken, geschlichenen Wege und gemachten Beobachtungen. Sie erzählte von den Schlüssen, zu denen ihr kleiner Trupp gekommen war.
Nie ließ er durchblicken, was er davon hielt. Und mit jeder Sekunde, in der sein kommandierender Blick auf ihr lastete, kribbelte es tief in ihr mehr und mehr.
Das Haus Grimmflamme war selbst angehenden Waldläufern nicht unbekannt und auch wenn sie ihren neuen Kommandanten bisher nur ab und zu gesehen hatte, so war Ayala doch seiner Anwesenheit stets gewahr gewesen, wann immer er den Raum betreten hatte. Ravael hatte eine Aura an Kompetenz und Autorität und sein bloßes Dasein hatte stets ihr Auge auf sich gezogen. Natürlich war es auch Arroganz, die ihn definierte, aber das minderte seine Wirkung auf sie nicht.
Ihr Bericht war am Ende angekommen und eine Stille eingetreten. Sie lauschte dem Rauschen ihres Blutes, dem Klopfen ihres Herzens und hoffte, dass die Röte ihrer Wangen und Ohren der körperlichen Anstrengung zugeordnet wurde.
Erst nach langen Sekunden, gefesselt unter seinem strengen Blick, wagte sie es, einen Moment aufzusehen und in die sanft glimmenden grünen Augen zu blicken, das elegante Antlitz hinunter, welches durch feine Narben bereichert wurde.
Mysteriös schlängelten sie sich wie kleine Blitze über Stellen seines Körpers und die leise Frage in Ayalas Kopf war stets gewesen, wie weit sie entlanglaufen mochten.
Er sprach zu ihr. Seine von einer Vernarbung gezeichnete Lippe fing ihre Aufmerksamkeit ein. Ob sie sich rau anfühlte? Wie war er, wenn er kein Kommandant war? Wie lebte er? So viele Gerüchte gab es über ihn, von den harmlosen, die darüber berichteten, wie viele Katzen es auf seinem Familienanwesen gab, bis hin zu den anderen Gerüchten.
Gerüchte von Verliesen, geheimen Kellern und von all den Dingen, die den dunklen Vorlieben Grimmflammes entsprachen.
Selbst im Lager, so hatte sie gehört, hatte er schon …
Sie kam ins Träumen, betrachtete die Gesichtszüge, die Augen, den gepflegten Bart. Ihr wurde dabei viel zu spät gewahr, dass sie zwar dem Klang seiner Stimme gelauscht, doch die Worte selbst nicht erfasst hatte.
Und so kam es, wie es kommen musste.
Auch an diesem Abend umrundete sie in endlosen Übungen wieder das Lager, trainierte als Strafe für ihre Unaufmerksamkeit. Und stets war es ihr, als fühlte sie seinen Blick. Doch was sollte sie tun?
Befehl ist Befehl.
Schwer atmend fiel sie Stunden später auf ihre Pritsche, drehte sich auf den Rücken und sah die Zeltdecke an. Ihr Körper war gerade dabei, sich zu entspannen, als sie sich einer Anwesenheit gewahr wurde. Zwei grüne, glimmende Augen blickten vom Eingang aus zu ihr, fein vernarbte Lippen teilten sich in einem raubtiergleichen Lächeln.
Erneut fand sie sich zu ihm zitiert. Er hatte noch … Fragen.
Und was sollte sie schon tun?
Befehl ist Befehl.
Der Rest des Buchs befasst sich im Detail mit Befehlen und ihrer Befolgung …