Eine romantische Kurzgeschichte über den Ritter Sir Orlen und seinen Knappen, verfasst durch Loriande Federblatt.
Bei dieser Ausgabe handelt es sich um eine handschriftliche Festeinband-Abschrift des 3-Kupfer Romans: “Die Pflichten eines Knappen” von Loriande Federblatt, die als Archiv-, Zier- oder Sammler-Ausgabe anzusehen ist.
Die originale ‘3-Kupfer’-Fassung kann auf Wunsch zu niedrigeren Gesamtpreis direkt über die Autorin dieses Werkes bezogen werden.
Er war immer schon stürmisch gewesen, immer schon voller Kraft, die seine Ambition widerspiegelte. Sein wallendes blondes Haar floss in diesen Momenten voller Bewegung und Kampf um seinen Körper wie flüssiges Gold, seine Muskeln schimmerten im feurigen Licht des nahen Turmes. Und in seinem Gesicht sah ich die Freude und Lebenskraft, die ihn eh und je ausgemacht hatte.
Mit Schwung donnerte seine Waffe auf meinen Schild und sandte eine Erschütterung durch Arm und Körper. Ich merkte, wie ich nach hinten gedrängt wurde, wie meine Stiefel sich in den Boden gruben.
Ein weiterer Schlag traf mein Schild und ich leitete den Angriff zusammen mit meinen Tagträumen ab, warf seine Attacke zurück und zwang ihn in die Defensive. Noch minutenlang hielt dieser Tanz an, so lange, bis einer seiner Angriffe mich doch auf den Rücken warf. Schwer atmend sah ich hinauf auf die vertraute Gestalt, schloss meine Hand um den angebotenen Streitkolben und zog mich daran hinauf.
„Was für ein Kampf, Fiarin, an einem dieser Tage wirst du mich noch übertrumpfen.“
Ich lächelte und klopfte Sir Orlen auf seine gerüstete Schulter.
Vielleicht nahm ich mir zu viel heraus, war zu vertraut mit ihm. Doch nie hatte Sir Orlen gezeigt, dass ihm diese Nähe zuwider war, nicht wenn wir unter uns waren.
„Man kann nicht immer in einem Gerangel obenauf bleiben, Orlen. Es ist gut, wenn du auch die andere Position ab und zu kennenlernst.“
Natürlich war ich als sein Knappe in der Öffentlichkeit anders, es gab immerhin Form zu wahren und Pflichten zu erfüllen.
Doch hier, im Licht des kleinen Turmes, über den wir wachten und dessen Flamme wir erhielten, hier waren wir die Freunde, die wir schon seit unserer Jugend waren. Wir waren sogar mehr.
Während Orlen sich in Richtung des Turms und seines Zimmers aufmachte, sammelte ich die Waffen und Schilde ein und machte mich daran, unsere Ausrüstung zu pflegen. Die Pflichten eines Knappen.
Eine kurze Zeit später betrachtete ich im Schimmer des Schildes mein Spiegelbild. Von dunklen Haaren eingerahmte treue braune Augen sahen mir entgegen und einmal mehr fragte ich mich, was Orlen wohl sah, wenn er in sie blickte. Etwas, das er mochte, offenbar.
Langsam erklomm ich die Stufen zu Orlens Zimmer.
Wie immer hatte er einen Teil seiner Rüstung schon abgelegt, doch gab es auch einige Riemen und Verschlüsse, die weniger leicht erreichbar waren, bei denen ich ihm natürlich helfen musste.
Sein Blick folgte mir, als ich eintrat, sein Lächeln so geheimnisvoll wie altbekannt, so vertraut wie enigmatisch, so fordernd wie anbietend. Also trat ich hinter ihn, als er sich vom Bett erhob.
Meine Finger fanden die ledernen Riemen und lösten das schwere Metall Stück für Stück von seinem Körper: die Pflichten eines Knappen.
Während ich Stück für Stück seine Rüstung von ihm nahm, fragte er schließlich in ruhiger und wohlig tiefer Stimme.
„Du hast die Schilde gepflegt?“
„Ja.“
„… dich um die Rüstung gekümmert?“
„Ich tue es gerade“, raunte ich, spürte, wie mein Herz etwas fester klopfte. Eine Pause trat ein, als ich seinen Oberkörper freilegte und zu den Beinschienen hinabblickte.
„… die Streitkolben poliert?“
„Noch nicht …“
Der Rest des Buches befasst sich tiefer mit der ausführlichen Pflege wichtiger Ausrüstung und all den verschiedenen Pflichten eines Knappen.