Eine romantische Kurzgeschichte aus dem Tag von Moaka, einer Schamanin der Hochbergtauren, verfasst durch Loriande Federblatt.
Bei dieser Ausgabe handelt es sich um eine handschriftliche Festeinband-Abschrift des 3-Kupfer Romans: “Im Fluss der Wonne” von Loriande Federblatt, die als Archiv-, Zier- oder Sammler-Ausgabe anzusehen ist.
Die originale ‘3-Kupfer’-Fassung kann auf Wunsch zu niedrigeren Gesamtpreis direkt über die Autorin dieses Werkes bezogen werden.
Das Antlitz der Hochbergtauren formte ein zartes, doch von Vorfreude erfülltes Lächeln, als sie die letzte ihrer Pflichten beendete. Schwer noch hing der träge Rauch in der Luft, als das junge Paar sich dankend verabschiedete.
Moaka lauschte dem vertrauten Klicken und Rascheln der Hölzer, Knochen, Federn und Steine, die sich an ihrem Gewand und ihren Schulterstücken fanden, während sie für den Tag aufräumte.
Reagenzien wanderten zurück, Räucherwerk wurde entfernt und zuletzt löschten die Tauren alle Laternen. Einen Moment blieb sie so im Dunkeln stehen und lauschte auf das ferne Rauschen der Wasserfälle, die den Hochberg einrahmten.
Ein Tag war zu Ende, doch bevor sie sich zur Ruhe legte, galt es, auch seine Spuren von sich zu waschen, körperlich und geistig. Moaka schritt auf vertrauten nächtlichen Pfaden zu einer besonderen Freude, die sie sich verdient hatte.
So viele Besucher und Bewohner bewunderten vor allem den „Berg“ in Hochberg.
Sie vertrauten dem festen Stein und viele ihrer Schamanen verließen sich auf die stete, beruhigende und unverrückbare Kraft des Felsens und doch sah sie selbst sich weniger dem festen Stein verbunden, der sie und die Ihren hielt und stützte, sondern eher den Wundern, die diesen Berg umflossen.
Ihre Liebe gehörte den Wassern, gehörte den kleinen Bächen, die aus dem Gebirge kamen und glasklar den Berg wie ein Gewand entlanglitten. Sie gehörte dem Plätschern und Gluckern und Rauschen des Wassers, gehörte den kleinen Strömen und wilden Fällen, den felsigen Teichen und tiefen Seen.
Angekommen am Wasserfall ließ sie alles hinter sich, das nicht zu ihren persönlichen Riten gehörte. Ihre Ausrüstung fand einen Platz am Ufer und sie zeigte sich den Wassern des Hochberg bald so, wie bei ihrem ersten Ritus vor vielen Jahren. Es war Moaka egal, ob sie dabei jemand sah, es war egal, ob ihr mondbeschienener Körper in den Augen eines anderen erstrahlte. Im Gegenteil. Ein kleiner Teil der Hochbergtauren kribbelte es bei der Vorstellung.
Vielleicht brachte sie Anderen Freude und darin sah sie nichts Schlechtes.
Eventuelle Blicke waren aber nie ihr zentrales Augenmerk. Dies war ihre Zeit, in der sie die Liebe zu den Wassern und zu sich selbst zelebrierte. Mit einem Gefühl der Befreiung trat sie unter den Wasserfall und spürte das harte, massierende Klopfen der kalten Fluten auf Geweih und Schultern.
Moaka spürte, wie die Spannung des Tages aus ihren Gliedern gedrückt wurde, wie Müdigkeit der klaren, erfrischenden Kälte des Wassers wich, das noch Tage zuvor Schnee auf dem Berg gewesen war.
Ihr ganzer Körper erbebte unter der Urgewalt und sie hielt diese so lange aus, wie sie eben wagte.
Minuten später, als ein tiefes Zittern ihrem Körper entwich, wusste die Tauren, dass es Zeit war, das Ritual weiterzuführen. Wo Kälte und Klarheit ihren Körper von allem reingewaschen hatten, musste dieser nun dennoch wieder mit Wärme und Leben erfüllt werden.
Der Weg zu den heißen Quellen war nicht lang und doch spürte die Tauren, wie an den Spitzen ihres Fells die Tropfen zu Eiskristallen gefroren, wie sie nach und nach in ein glitzerndes Kleid ihres Elementes gehüllt wurde.
Ihre Schritte führten sie an ein natürliches Becken, von dem aus träge heißer Nebel aufstieg. Dieses Wasser kam nicht von der Spitze des Berges, sondern tief, tief aus ihm selbst. Die Lichtreflexe der Wasseroberfläche tanzten über Moakas Leib, als sie vor dem Becken zum Stehen kam und schon jetzt die Wärme fühlte, die von den heißen Quellen ausging.
Erleichtert seufzend ließ sie sich hineingleiten, spürte, wie ihr Körper bald mit wohliger Wärme und neuem Leben erfüllt wurde. Wärme kroch in alle Glieder und entlockte ihr ein zufriedenes Seufzen.
Sie sah in den Himmel, als sie sich dem Gefühl ganz hingab und während ihr Blick zwischen den Sternen hin und herhuschte, formte sich ein kleines Lächeln.
Das Kribbeln wurde stärker, wanderte die Fingerspitzen und Hufe entlang, an Armen und Schenkeln hinauf. Es war an der Zeit, die Verbindung zu den Wassern um sie herum wieder zu stärken.
Dann, ganz langsam, glitten auch Moakas Arme und Hände unter Wasser, während sie die Verbundenheit und Liebe zu den Elementen und sich selbst aufbaute. Die Tauren schloss ihre Augen und bald schon fanden ihre Hände die richtige Stelle. Wieder seufzte sie wohlig und begann zu wirken.
Das Buch beleuchtet in den folgenden Kapiteln ausführlich, wie die Schamanin die Verbindung zwischen Elementen und ihrem Körper pflegt, und wie sie die Liebe zu den Wassern und zu sich selbst vertieft.